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Vom künftigen Deutschland : Aufsätze zur Zeitgeschichte / Erik Reger
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184 i: Die tieferen Gründe

man das Glück der Menschen nicht mit Mathematik errechnen kann. Freiheit kann unmöglich das sein, was ein ehrlich ringendes Gemüt erstrebt, wenn man mit der Aussicht, daß sie vielleicht doch einmal etwas Realeres als ein rötlich bewölkter Schimmer am Horizont zu werden vermöchte, Jahrzehnt um Jahrzehnt darum betrogen werden muß und in immerwährenden Variationen von Knechtschaft, Gewissensnot, Bedrohung einen angeblich noch sehr wohlfeilen Preis dafür zu entrichten hat.

Fast hundert Jahre nach dem ersten wurde ein zweites Kommu- nistisches Manifest erlassen, das im Grunde die ganze Entwick- lung seit 1848 spiegelt. Es ist aus Berlin datiert, Ostern 1946, und trägt die Unterschrift des ein wenig pleonastischenVer- einigungsparteitages der Sozialistischen Einheitspartei Deutsch- lands. Keine gute Unterschrift, denn sie ist falsch. Es existiert zwar jett de facto eine Sozialistische Einheitspartei in Deutsch- land, aber sie ist nicht die Sozialistische Einheitspartei Deutsch- lands. Sie ist die Sozialistische Einheitspartei der Länder Sachsen, Thüringen und Mecklenburg, der Provinzen Brandenburg und "Sachsen-Anhalt, kaum noch des russischen Sektors von Berlin. Das ist etwa ein Drittel des deutschen Gebietes, wie es in Potsdam vor- läufig begrenzt worden ist.Es lebe die stolze und mächtige Sozia- listische Einheitspartei Deutschlands! bleibt daher einstweilen Zukunftsmusik für Sprechchöre. Die Geburt der Sozialistischen Einheitspartei ist insofern ein Kuriosum, als hier das Zauberstück seglückt ist, durch Vereinigung drei Parteien an Stelle von zwei zu schaffen, nämlich SP, KP und SE. Die SE ist ihrem Manifest zufolge nicht nur die Parteider entschiedensten Interessen- vertretung der Werktätigen undder Erneuerung der deutschen Kultur, sondern auch die.wahrhaft nationale des deutschen Vol- kes. Dies letztere ist eigentlich der einzige neue Ton der gegen- wärtigen Manifestanten. Alles übrige, von den‚Kapitalhyänen bis zu den‚Bannerträgern, wurde schon zwischen 1918 und 1933 in dissonanzenreiche Musik gesett, und wenn man ganz genau sein will, ertönten auch schon die nationalen Klänge einmal, und zwar in den kommunistischen Blättern zur Zeit der Ruhr- besegung 1923.

Nicht einen Fußbreit deutschen Bodens werden wir freiwillig herausgeben! rief der Senator Dittmann auf einer Funktionär- versammlung der KP in Hamburg aus, und das Getümmel gegen die bayerischeOrdnungszelle schwillt in der gleichen Stunde an, da kein propagandistisches Inventar unbemüht bleibt, um die östliche Zone als Ordnungszelle erscheinen zu lassen. Eine Zeitung hat kürzlich daran erinnert, daß im Februar 1940 Walter Ulbricht in einer Stockholmer Zeitung den Krieg gegen Hitler als einen

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