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Vom künftigen Deutschland : Aufsätze zur Zeitgeschichte / Erik Reger
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182 Die tieferen Gründe

neue, bessere Gesellschaftsform begründende Macht. Was den einen als Nachtmahr erschien, mutete die anderen als Morgenröte an. Der einfache Verstand muß zunächst daraus folgern, daß beide Seiten in einem Traume befangen waren; einem Traume, der seit- her eine Generation um die andere heimsucht und fast den Aus- druck eines Religionskrieges angenommen hat, ohne daß es bisher gelungen wäre, einwandfrei zu ermitteln, ob es sich in der Tat, sowohl in den Prinzipien wie in den einzelnen Phasen, um einen Kampf zwischen demReaktionären schlechthin und dem Geseß und Maß suchenden.‚Revolutionären oder der Revolution an sich und der auf Maßlosigkeit beharrenden Reaktion handelt geschweige, daß der Kampf sich hätte entscheiden lassen.

In dem Augenblick, da Marx und Engels, auf einer neuen,mate- rialistischen Betrachtungsweise fußend, die.Geschichte aller bis- herigen Gesellschaft als die Geschichte von Klassenkämpten dar- stellten, beendete das Frankfurter Vorparlament seine Arbeiten mit einem Bekenntnis zur Verfassunggebenden Nationalversamm- lung und nicht mit der Einsegung eines Wohlfahrtsausschusses oder der Erklärung einer Diktatur. Und obwohl das Kommuni- stische Manifest mit der Aufforderung zum Umsturz schloß und die Versicherung anfügte, daß die herrschenden Klassen zu zittern hätten, waren es nicht Karl Marx und Friedrich Engels, die im deutschen Süden die Fabrikarbeiter gegen die preußischen Bajo- nette führten, sondern Leute wie Hecker, Struve und Spaß, die damals schon Kommissare hießen. Darin liegt weder ein Vorwurf gegen Marx und Engels, noch ist gemeint, daß nicht jeder der anderen gewisse, freilich unterschiedliche Qualitäten und Ver- dienste gehabt hätte. Marx unterstüßte zwar Teilaktionen, weil er in ihnen Etappen auf der Strecke zum Ziel sah, aber die Unklug- heit, notwendige Zwischengefechte für den Endkampf selbst zu halten, konnte nur von Naturen begangen werden, die sich ein- bildeten, in der Geschichte lasse sich Endgültiges, wenn überhaupt je, im ersten Anlauf erzwingen, und Fanatismus sei ein vollkom- mener Ersat für überlegene, weil überlegende Kraft.Worte können unser Recht und unsere Freiheit nicht erobern, hieß es in dem Aufruf der provisorischen Regierung Heckers, und der erste Gebrauch, den ihre Truppen von der Freiheit machten, war, daß sie ihre Zechen in den Wirtshäusern nicht mehr bezahlten. Auf tausend Manifestanten, die praktisch das mißachten, wofür sie theoretisch manifestieren, kommen in der Geschichte vielleicht zwei oder drei, denen tiefere Erkenntnis sagt, daß man nichts er- kämpfen kann, wovon man selbst nur eine unzulängliche Vorstel- lung hat. Mehr oder weniger gipfeln alle revolutionären Mani- feste in der so vieldeutigen Formel, Worte könnten Freiheit und

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