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Gesetzmäßigkeit und Gesetze 173
französischen Nationalfeiertages auf dem Gebäude der Franzö- sischen Botschaft in Berlin wehende Flagge von einem Revanche- fanatiker heruntergerissen worden war, paradierte, um diese Be- leidigung zu sühnen, während der feierlichen Wiederhissung ein Detachement der als ,‚Reichswehr“ neu erstehenden deutschen Armee; nach der Zeremonie aber befahl der Offizier der vom Brandenburger Tor geräuschvoll abmarschierenden Truppe, heraus- fordernd„‚Deutschland über alles“ zu singen.
1920—1946. Heute stehtes so, daß ein wahrlich nicht beneidens- werter Teil unseres Volkes die Begebenheiten zwischen 1918 und 1920 als vorbildlich empfindet und nur bedauert, daß die immer- hin in mancher Hinsicht andersartigen Verhältnisse nicht gestatten, sie durchweg nachzuahmen; daß eine nicht unbeträchtliche Anzahl Deutscher einer Demonstration wie der oben geschilderten vom 14. Juli 1920 noch nachträglich Beifall spendet, daß man aber die- jenigen,. die es nach Wiederholung gelüstet, darauf aufmerksam machen kann, daß das, was ihnen großartig erscheint, auf dem fatalen Bewußtsein der Minderwertigkeit beruht, weil ein Mensch und eine Nation, die ihrer selbst sicher sind, die Notwendigkeit, sich in aller Form wegen eines Fehlers zu entschuldigen, nicht als Schmach, sondern als sittliche Verpflichtung empfindet; daß, wenn eine Diskussion über die unmittelbaren Zusammenhänge beim Kriegsausbruch 1914 noch möglich ist, das Jahr 1939 die Allein- schuld Deutschlands klar erwiesen hat; daß die Tapferkeit der deutschen Soldaten nicht dem Wohle, sondern der Vernichtung von Volk und Vaterland gedient und Hitler den Krieg so lange und auf eine solche Weise geführt hat, damit alle Deutschen mit dem Nationalsozialismus bis zur Unteilbarkeit der Schuld identifiziert werden mußten; daß unser heutiges Schicksal von dem Unrecht be- stimmt wird, das wir in einer nicht abreißenden Kette der Welt zugefügt haben und wohl noch fortführen zuzufügen, wenn uns nicht die Gewalt fremder Waffen endlich daran gehindert hätte; daß es uns, die wir uns lange Jahre prahlerisch außerhalb des Rech- tes gestellt haben, übel kleidet, wenn wir die in den Sternen ge- schriebenen ewigen Rechte in dem Augenblick anrufen, da wir ernten, was wir gesät haben; und daß die einzige Waffe, die wir selbst künftig zu tragen gedenken, das Wissen um die Ursachen sein muß und der Wille, ihnen und damit einer Wiederkehr der Geschichte von 1918 bis 1945 den Boden zu entziehen.
Die Parteiführer, die nicht müde werden dürften, dies festzustel- len, sprechen aber ganz anders. Es scheint, daß ihnen allmählich die Maßstäbe verlorengehen und mit den Maßstäben Verantwortungs- bewußtsein, psychologisches Schägungsvermögen, Erkenntnis der Realität und Taktgefühl. Sie erliegen der Versuchung, den Wett-


