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Vom künftigen Deutschland : Aufsätze zur Zeitgeschichte / Erik Reger
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Gesetzmäßigkeit und Gesetze 171

das Zufällige von dem Wesentlichen des Charakters einer Epoche zu unterscheiden. Wilhelm von Humboldt, in Deutschland heute viel beredet und wenig beachtet, meinte, wenn eine Eigenschaft tief im Charakter begründet sei, so diene sie, wenn sie nach ge- nauer Untersuchung dennoch zufällig genannt werden müsse,mehr als irgendeine andere dazu, die wesentliche Natur des Charakters aufzudecken. Manches in der Welt kann in seiner wahren Gestalt nur schwer oder überhaupt nicht erkannt werden. Die Gesegmäßig- keit aber ist immer das Primäre, und ohne ihre Berücksichtigung existiert nicht nur kein Geset, sondern überhaupt keine gültige Macht, keine Aussage und kein Beweis in der Gesamtheit des

Lebens, auch des politischen, wo Gesegmäßigkeit die Mäßigung des Starken und die Mäßigung des Schwachen Mittelmäßigkeit ist.

Unser politisches Leben krankt daran, daß man versucht, mit un- ordentlichen Begriffen auszumessen und zu erschöpfen, was man nicht ordentlich erkennt. Zu der Freiheit gehört das Bewußtsein,

daß es undemokratisch ist, wenn Majoritäten die Minoritäten tyran- nisieren, wie es umgekehrt nicht demokratischer ist, wenn Minori- täten die Majoritäten terrorisieren. Ein kommunistisches Blatt schrieb kürzlich in Sperrdruck:Die Parteien als aktive Kämpfer für die Demokratie haben auch die Verpflichtung, über das Schal- ten und Walten ihrer Mitglieder in den Selbstverwaltungskörpern zu wachen. In diesem Sate stimmt alles, außer dem WortDemo- kratie. Denn er enthält das undemokratischste aller Postulate, die Einengung und Beaufsichtisung der Persönlichkeit, der man Ver- trauen geschenkt hat. Ein Vertrauen, das sie verpflichten sollte, dem allgemeinen Wohl zu dienen, und das niemanden zu dem Verlangen berechtigen dürfte, sie solle ihren Auftraggebern aus der Partei gefügig sein. Der politische Körper ist nach Rivarol eine komplexe, eine vielfache Idee, und es gehört nun einmal viel Geistes- und Charakterstärke dazu, die Aufrichtigkeit interessant zu finden.

Man muß zugeben, daß die politischen Parteien es nicht leicht haben, solange sie in einem toten Raum agieren und sich nicht an tatsächlichen Regierungsaufgaben praktisch bewähren können. Es wird derzeit ein ziemlicher Leerlauf betrieben, da neue Konzep- tionen oder auch nur mitreißende Gedanken, ideenreiche Kräfte, nirgends aufgetaucht sind. Das Volk als Ganzes sieht auf die Dauer bloß das Gezänk und wertet danach. Erst die Demonstration einer Regierungsarbeit vermag in der Tiefe Wandel zu schaffen. Das kann uns nicht hindern, inzwischen auf Logik zu bestehen. Es ist keine Logik, wenn es in einem Falle, in dem jene kommunistische Ueberwachungsmaxime in die Praxis umgesett werden sollte, heißt: Ein Mann, der von Hitler in das Konzentrationslager ge-