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Der Machtkomplex. 27
Aber diese Leute sollen nicht eine Sekunde glauben, daß wir sie heute gewähren lassen. Wenn sie in den verflossenen zwölf Jahren der Schande und Schmach von„deutscher Würde“ geschwie- gen haben, dann wird nicht geduldet werden, daß sie jett, da wie- der gesprochen werden darf, ausgerechnet von„deutscher Würde“
‚ sprechen. Dazu geht allen denen, die in dem Worte„Vaterland“
niemals eine Entschuldigung für Unsauberkeit, Tücke und geist- lose Interessenpolitik gesehen haben, Deutschland d&änn doch zu sehr zu Herzen. Sie wollen endlich der entsetlichen Tragik ent- rinnen, sich des Landes schämen zu müssen, in dem sie geboren sind— und diesmal wird niemand sie hindern zu tun, was dazu notwendig und außerdem Rechtens ist. Denn dafür haben sie, wäh- rend die sonoren Vertreter der ‚deutschen Würde“ sich mit dem Nationalsozialismus„abfanden“, zuviel gelitten.
Es ist in der Geschichte ohne Beispiel, daß die wirklichen Patrio- ten Tag um Tag. die Niederlage ihres Landes herbeisehnen mußten; daß sie wußten, nur wenn ihre Landsleute den Krieg einmal im eigenen Lande hätten, würden sie vielleicht Vernunftsgründe in Er- wägung ziehen; daß. jeder Sieg des eigenen Heeres sie zittern, jeder Sieg der fremden Heere sie aufatmen ließ; daß sie m diesem fürchterlichen Sinne die dämonische Selbstzerstörungstaktik des „totalen Krieges“ sogar begrüßen mußten. Wer diese_ungeheuer- liche innere Tragödie durchlebt hat, kann die Wahrheit nicht dar- um verschweigen, weil sie beschämend ist. Es wäre der beste Weg, den Elementen des Bösen das zu ermöglichen, was Herrn Hitler 1924 vor einem der nur in Deutschland denkbaren Gerichtshöfe gelang: sich aus der Bank des Angeklagten in den Stuhl des An- klägers hinüberzuschleichen.
Was den deutschen Nationalismus eigentlich immer, besonders aber infolge der Entwicklung seit 1813 von einem auch bei anderen Völkern heimischen Nationalismus unterschied, ist seine militante Ausschließlichkeit. Ansehen und Ehre des eigenen Volkes erstrebte er stets auf Kosten der Nachbarn, die eigene Größe stets in der Verkleinerung aller übrigen Völker. Solche Anschauungen gedeihen auf dem Boden einer Ueberheblichkeit, die Unwissenheit nicht bloß als Folge mangelnder geistiger Fähigkeiten offenbart, sondern auch infolge der Ablehnung, Fremdes besser als oberflächlich kennenzulernen. Aus diesen Wurzeln bezog der deutsche Natio- nalismus seine penetrante Aggressivität. Anders, als sie war, malte sich in den Köpfen dieser Deutschen die Welt. Anfangs der acht- ziger Jahre bezeichnete der englische Kolonialminister und spätere Obersekretär für Irland, William Edward Forster, Disraelis Anti- poden Gladstone als„a man who can persuade most men of most things and himself of anything“. Hätte er den Typus des deutschen


