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Vom künftigen Deutschland : Aufsätze zur Zeitgeschichte / Erik Reger
Entstehung
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ER DER MACHTKOMPLEX| ren u icht 3 Als Karl XII. von Schweden, dem vieles mangelte, Tollkühnheit de: ausgenommen, mit seinem Kriegshaufen über Sachsen hinwegzog, Ey\ ritt er geradenwegs vor das Schloß seines kurfürstlichen Feindes ge- in Dresden. Tags danach hörte er, der Rat der Stadt sei zusammen- tt. getreten, worauf er sagte:Ich denke, sie beratschlagen sich über eich das, was sie gestern hätten tun sollen. Vermutlich ist die Eiche st darum der Lieblingsbaum der alten Germanen und in ihrem Ge- \us- folge auch der deutschen Poeten von 1813 und 1848 gewesen, weil Der sie Jahrhunderte zu ihrer Ausbildung braucht genau wie unsere en" Nation. Wenn sie zwanzigmal vom Lehrmeister Schicksal geprügelt! als| worden ist, macht sie sich beim einundzwanzigsten Male daran, die® Be| Gründe der Hiebe vom erstenmal zu erklären. Ä ungIch komme mir vor wie ein altes, gutes, deutsches Gewissen, 4 Igen sagte der greise Arndt, als ermit dem von Gesundheit blühenden A a Gesicht unter den schneeweißen Haaren auf der Rednertribüne 1 nen 5 der Paulskirche stand. Wie mancher kam sich seitdem so vor, ika- aber die Frage, was dasalte, gute, deutsche Gewissen eigentlich A sei, blieb unentschieden. Die unmerklichste Veränderung fühlen, An-} ist nach Wilhelm Heinsedie Probe von dem lebendigsten Leben. che,' Das deutsche Volk scheint nicht einmal die merklichen Verände- a rungen zu fühlen. Die Zahl der Zeitungen, die in Deutschland ne wieder erscheinen, wächst und wächst; fast kein einziger der frü- 4 nun a heren Namen ist unter ihren Titeln, und viele tragen schon rein a! äußerlich ein vollkommen neues Gesicht. Erstaunlich, wie gedanken- 4 tale los die sonst so symbolfreudigen Deutschen mit wenigen Aus-" hnen Fi nahmen das hinnehmen. Glauben sie, es sei eine Marotte der Her- eute,|R ausgeber? Oder eine Anordnung der Besegungsbehörden? In die- ri 'olke H sen Zeitungen kann nun der Deutsche lesen, was er zu lesen

| wünscht, und auch, was er vielleicht nicht zu lesen wünscht die a

4 Art, in der seine stummen Gefühle willkommenes Wort werden,

4 ebenso wie die Art, in der ihm Wahrheit als etwas erklärt wird,

H das nicht schmeichelnd, sondern fordernd auftritt, damit er sich

i nach ihr, nicht sie nach ihm sich richte. Es hat seine sittliche wie

- politische Bedeutung, wenn Blätter wie dieFrankfurter Zeitung

3 oder die.‚Deutsche Allgemeine Zeitung nicht einfach weiter-

FE erscheinen und ihren alten Hut behalten können, einerlei, ob der

-- Hut auf dem Kopfe von Leopold Sonnemann, Geheimrat Duisberg,

I Hugo Stinnes, Joachim von Ribbentrop oder Hitlers Kompanie-

E feldwebel Amann sitt, und einerlei, ob es gilt, dem ersten, zweiten,

i dritten oder vierten‚Reich zu sekundieren.

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