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Dieser beschleunigte Aufbau des Lagers war nur unter der Bedingung mög- lich, daß jederzeit genügend Arbeitskräfte zur Verfügung standen. Das Leben Hunderter und Tausender Häftlinge wurde dabei von den SS-Mördern skrupel- los aufs Spiel gesetzt.
Der Materialverbrauch war unkontrollierbar und demzufolge auch die Kosten. Diese Wirtschaftsverhältnisse wurden selbstverständlich von den Häft- lingen für Sabotage ausgenutzt, wo und wie es nur möglich war. Große Mengen von Ziegelsteinen, Dachziegeln, Holz, Zement, Glas, Dachpappe usw. sind ver- schwunden, wurden zerschlagen oder anders unbrauchbar gemacht. Viele Kame- raden, die dabei von SS-Angehörigen erwischt wurden, schlug man an Ort und Stelle tot.
Die großen Erwartungen, die man in den Rüstungsbetrieb Buchenwald setzte, wurden mit einem Schlag am 24. August 1944 durch den anglo-ameri- kanischen Luftangriff zerschlagen. In 15 Minuten lagen das ganze Werk, die Deutschen Ausrüstungswerke, das Garagengelände, das Kommandantur- gebäude, das Baulager, ein Teil des Sonderlagers und der„Fichtenhain“ als brennende Ruinen da. Leider mußten auch tote Häftlinge verzeichnet werden, da für ihren Schutz von seiten der SS nicht das geringste getan wurde.! Später durften die Häftlinge ihre Arbeitsplätze verlassen und bei Fliegerangriffen im Lager Schutz suchen. Das war jedoch vor dem 24. August 1944 nicht erlaubt. Es muß betont werden, daß im Lager selbst nur geringfügiger Schaden entstand (2 Baracken, eine neue Häftlingsküche und die Dachkonstruktion der Wäscherei waren abgebrannt).
Vom Tage des Fliegerangriffs auf Buchenwald an begann die Zeit, in der alles durcheinander ging. Alles eilte.„Sofortmaßnahmen“ mußten vor„Sonder- maßnahmen“ zurücktreten. Jeden Tag kamen andere Befehle. Nur die Häft- linge hatten ein anderes Arbeitstempo erfunden,— ruhig und langsam wurde gearbeitet. Keine Drohung seitens der SS konnte die Häftlinge zu größerer Arbeitsleistung bewegen. Es wurde noch mehr sabotiert, noch mehr Material vernichtet und jede Möglichkeit dazu ausgenutzt, das Fortschreiten der Arbeit zu verhindern. Häufige Fliegeralarme lockerten die schweren Lebensbedingun- gen, und jeder wußte, daß dieser Zustand nicht mehr allzu lange dauern konnte.
Doch es wurde weiter geplant. Die Entwürfe für den gesamten Komman- danturbereich waren bereits fertiggestellt. Ein Gebäude war schon im Bau. Das Isolierungslager Fichtenhain? wurde neu gebaut und anstatt der früheren 12 Zimmer in 24 aufgeteilt. Selbstverständlich wurde dieses geheimnisvolle Lager wieder mit einer hohen massiven Wand umfaßt. Eine ganze Reihe wei- terer Arbeiten waren in Vorbereitung. Uns Häftlingen war dabei vollständig klar, daß diese niemals zur Ausführung gelangen würden. In den letzten Tagen
1 Vgl. S. 211. 2 In diesem Isolierungslager war unter anderem Rudolf Breitscheid untergebracht. Vgl. S. 212.
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