Die allgemeine Bedeutung der Zwillingsforschung 171
Mit all diesen Leistungen ist die Zwillingsmethode zur fruchtbarsten Methode menschlicher Erbforschung geworden; mit der Vielseitigkeit, Genauigkeit und Zu- verlässigkeit ihrer Ergebnisse steht sie den anderen Methoden voran, Damit werden aber jene keinesfalls entbehrlich gemacht, schon deshalb nicht, weil nicht alle Gebiete der Vererbungserscheinungen mit der Zwillingsmethode behandelt werden h- können; so kann sie in der Frage des Erbgangs eines Merkmals(dominant oder rezessiv) nicht angewendet werden, Die Vererbungsforschung beim Menschen braucht deshalb nach wie vor das Zusammenarbeiten aller Methoden, um in ihrer grund-
n sätzlich schwierigen Lage das Bestmögliche leisten zu können. & Die fachwissenschaftlichen Ergebnisse, so wichtig und wertvoll sie sind, sind 5 aber doch nicht das Wesentlichste und Letzte, was uns eineiige Zwillinge als erb- gleiche Menschen an Einsichten vermitteln können. Stärker als die mit der inter- S essantesten und zuverlässigsten Methode menschlicher Erbforschung gewonnenen, us kühl und scharfsinnig nachgeprüften neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse wirkt m- der ganz unmittelbare menschliche Eindruck, der von eineiigen Zwillingen ausgeht, ge Wir spüren, daß wir hier an einer Stelle stehen, an der uns die Natur ganz tief und k unverhüllt in ihre Werkstatt sehen läßt. Geheimnisse des Lebens rücken in hellstes en, Licht, so daß sie jeden Menschen unmittelbar packen müssen und jedem begreiflich he werden können. Es ist, wie wenn die Natur mit Hilfe einer merkwürdigen Aus- b nahme, den erbgleichen Zwillingen, mit geradezu herausfordernder Deutlichkeit en, zeigen wollte, daß sie die Menschen wie alle ihre Geschöpfe auch gleich formen en; könnte, wenn sie nur wollte, So ähnlich wie zwei EZ müßten die Menschen sein, s- wenn sie wirklich gleich wären, gleich wie das Spiegelbild dem Urbild. Von der Gleichheit der eineiigen Zwillinge hebt sich aber aufs stärkste ab, wie ungleich tat- Ter sächlich die Menschen sind. An dem seltenen Ausnahmefall der Gleichheit stellt i6 die Natur heraus, daß sie die Ungleichheit will und nicht die Gleichheit, Mit der E Ungleichheit ihrer Wesen hält sie das Leben in Spannung, treibt es vorwärts, pf Verschieden sind wir durch Vererbung, und eineiige Zwillinge sind der packendste us Beweis für die alles Menschensein beherrschende Macht der Vererbung. Das gleiche ler Erbgut vermag zwei Menschen bis auf die lächerlichsten Einzelheiten gleich zu ner formen, gleich bis zur letzten Sommersprosse auf der Nasenspitze und bis zu den on feinsten Regungen des Seelenlebens. Gewiß wirken auch in begrenztem Ausmaß die nk- Einflüsse der Außenwelt, aber erschütternd ist der schicksalsmäßige Ablauf des nn; Geschehens, wenn starke, umweltstabile Erbanlagen vorliegen. ‚So mußt du sein, er- dir kannst du nicht entfliehen” ist die letzte, beherrschende Erkenntnis, die uns Zwillinge vermitteln. Was sich für sie exakt beweisen läßt, geht jeden Menschen an. sut Mit unerbittlicher Wucht steht die große Erkenntnis vor uns, daß wir aus uns selbst, ne aus unserem Erbschicksal heraus unser Leben leben müssen. Wir sind geformt und b- werden in unserer Bahn vorwärtsgetrieben durch das, was die Natur in uns gelegt hat, I„und keine Zeit und keine Macht zerstückelt ıb; geprägte Form, die lebend sich entwickelt“. Jas in-| als er- len nes mt


