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Zwillinge : Einführung in die Zwillingsforschung / von Reinhold Lotze
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140 Zwillingsforschung an seelischen Eigenschaften

Auf Grund der Einsicht in die größere charakterologische Ähnlichkeit der EZ gegenüber den ZZ haben sowohl KRANZ als STUMPFL eine vertiefte Bewertung der Konkordanz durch- zuführen versucht, KRANZ berechnet aus 3 Hauptfaktoren der Kriminalität(Häufigkeit der Vergehen, Art der Vergehen, Strafhöhe) einenkriminellenÄhnlichkeitswert und findet, daß unter den konkordanten EZ 52% stark ähnlich und 19% nur wenig ähnlich sind, während bei den nur etwa halb so häufigen konkordanten ZZ die entsprechenden Zahlen 22 und 34% sind, Die von KRANZ angewandte Methode der Vergleichung ergibt also, daß konkordante EZ sehr viel ähnlicher sind als konkordante ZZ.

STUMPFEL unterschiedet 5 Stufen der Konkordanz und setzt als erste Stufe die Tatsache, daß bei beiden Zwillingen eine Strafe ins Strafregister eingetragen worden ist, als 2. bis 4. Stufe die Gleichheit der Schwere der Kriminalität, der Begehungsart und der all- täglichen sozialen Verhaltensweisen, als 5. Stufe die Charaktergleichheit. Bei der Bearbeitung seiner EZ-Fälle fand er, daß in den höheren Stufen die Konkordanz immer größer wird, so daß bei der 5. Stufe bei allen Fällen volle Konkordanz festgestellt werden kann. Im Gegen- satz dazu fand er bei den ZZ-Fällen in der ersten Stufe die höchste Zahl von Konkordanz- fällen, in der 5. Stufe überhaupt nur noch Diskordanz,

Als das Wesentliche erscheint somit nach den Untersuchungen von StumprL nicht die äußerliche Übereinstimmung im Straffälliswerden, sondern die Gleichheit des Charakters, Seinen Eindruck von den Lebensschicksalen der von ihm unter- suchten EZ faßt er in folgenden Worten zusammen:

Wenn man sich in die Lebensläufe vertieft, so ist der stärkste und immer wiederkehrende Eindruck der einer schlechthin vollkommenen Wesensgleichheiterbgleicher Zwillingeinallen Grundzügen des Charakters. Dieser Eindruck kann sich selbst in ausführlichen Darstellungen nur un- vollkommen widerspiegeln, denn viele entscheidende Momente wollen im persönlichen Um- gang mit den Zwillingen miterlebt sein. Feinheiten, die sich nur im Zusammenspiel der Aus- drucksbewegungen, der Art, wie etwas gesagt, verneint oder bejaht wird, erkennen lassen, kleine Vorlieben, Abneigungen, Empfindlichkeiten, innere Schwächen und Stärken können nur schwer in Worte gefaßt werden und sind dennoch entscheidend für die Beurteilung und Deutung grob faßbarer Tatsachen und Zusammenhänge. Es wäre verfehlt, hierin eine Un- vollkommenheit wissenschaftlicher Methodik zu erblicken, die zu beseitigen die Aufgabe künftiger Forschung sein müsse. Denn es handelt sich hier um ein Geheimnis der Menschen- erkennung, das nie beseitigt werden wird, wie die feinsten Analysen des Laboratoriums und der vollkommenste Körperstatus, von einem anderen Beobachter vorgenommen, niemals den Gesamteindruck ersetzen werden, den der Arzt im persönlichen Gespräch und bei der per- sönlichen Untersuchung von seinem Kranken gewinnt,

Im Gegensatz zu den Erbverschiedenen besteht hinsichtlich aller Wesensmerkmale des Charakters, hinsichtlich Gefühlsanlagen, Willensanlagen, Temperament, Begabung, eine Über- einstimmung, die so weit geht, daß man bei aller Verschiedenheit des sozialen Verhaltens im Vergleich zu den zweieiigen Zwillingen von vollkommener Ähnlichkeit, ja Gleichheit des Charakters sprechen muß. Es besteht Gleichheit des Temperaments, der Interessen, der Willensanlagen. Gleich sind die Vorlieben für dieselben Betätigungen, für bestimmte Arten, sich zu unterhalten, für bestimmte Getränke und Speisen, gleich ist die Art, auf bestimmte Erlebnisse zu antworten, von bestimmten äußeren Schicksalen beeindruckt zu werden, gleich ist der Geschmack an bestimmten Dingen, etwa die Art sich zu kleiden, gleich sind Vorliebe und Abneigung gegenüber bestimmten Persönlichkeiten, Die Unterschiede bleiben immer so gering, daß es nicht möglich ist, erbungleiche Zwillinge oder Menschen überhaupt nach Be- gabungsunterschieden und Charakterunterschieden in verschiedene Gruppen zu teilen, welche geeignet wären, die bei erbgleichen Zwillingen auftretenden Unterschiede zu erfassen. Ebenso wie hinsichtlich der normalen Charaktereigenschaften vollkommene Konkordanz herrscht, sind auch die Charakterabnormitäten und Psychopathieformen bei eineiigen Zwillingen gleich. Unterschiede in der Ausprägungsform und in den Äußerungsweisen sind, wie noch im ein- zelnen ausgeführt werden wird, durchaus peripherer Natur.

Wenn EZ in ihrem Charakter nahezu völlig übereinstimmen, so müssen die in ihrem kriminellen Verhalten diskordanten EZ besonderem Interesse begegnen, Was ist die Ursache ihres verschiedenen Verhaltens? Zunächst zeigt sich, daß sie im

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