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Zwillinge : Einführung in die Zwillingsforschung / von Reinhold Lotze
Entstehung
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16 Die Entstehung von Zwillingen und höheren Mehrlingen

Entstehung solcher Zwillinge liegt also in der Befruchtuns zweier Eier, Diese können entweder aus zwei Follikeln eines Ovariums oder aus dem rechten und linken Ovarium stammen. Es ist auch möglich, daß die beiden Eier aus einem Follikel stammen; Follikel mit zwei Eiern sind schon hie und da beobachtet worden. Auf welche Weise zwei Eier gleichzeitig ausgestoßen werden, bleibt grundsätzlich gleichgültig; wesentlich bei der Bildung solcher Zwillinge ist es, daß zwei verschiedene Eier von zwei verschiedenen Samenzellen befruchtet werden, Auf diese Art entstehen zweieiige Zwillinge, Mit der Loslösung zweier oder mehrerer Eier aus den Eierstöcken(Polyovulation) geht beim Menschen in Ausnahmefällen das vor, was bei vielen, ja den meisten Säugetieren die Regel ist. Da jedes der beiden Eier für sich befruchtet wird, so wird damit auch das Ge- schlecht jedes Keimes unabhängig vom andern für sich bestimmt; es können also auf diese Weise sowohl ST Pärchenzwillinge als auch I gleichgeschlechtige Zwil- linge entstehen, Nach den Regeln der Wahrschein- lichkeit werden bei dieser Art der Entstehung von Zwillingen ebensoviel gleichgeschlechtige als un- gleichgeschlechtige Zwil- lingspaare gebildet wer- den. Derartige Zwillinge zeigen eine Ähnlichkeit, wie sie auch sonst Ge- schwister aufweisen; sie können sich mehr oder Kal 8 weniger gleichen, unter Bild 9. Zweieiige Zwillinge.(Nach Lottig.) Umständen aber auch ganz unähnlich sein. Das ist nach der Art ihrer Entstehung unschwer zu verstehen. Die Geschlechtszellen eines Menschen sind unter sich in ihrem Genbestand verschieden. Bei der Befruchtung zweier gleichzeitig ausgestoßener, aber erbverschiedener Eizellen einer Frau durch zwei erbverschiedene Samenzellen eines Mannes entstehen Zwillinge, die in ihrem Erbgut genau so ähnlich oder so verschieden sind, als es sonst Geschwister sein können(Bild 9). Es handelt sich bei ihnen einfach um Geschwister, die nicht wie sonst in zeitlichem Abstand gezeugt worden sind und sich entwickelt haben, sondern die infolge der gleichzeitigen Loslösung zweier Eier auch zu gleicher Zeit ihre Ent- wicklung im mütterlichen Körper durchgemacht haben. Sie sind Geschwister- zwillinge,

Zwei Sonderfälle der Entstehung von zweieiigen Zwillingen wer- den schon seit langem immer wieder diskutiert und sollen deshalb auch hier Erwähnung finden. Es ist denkbar, daß die Befruchtung der beiden gleichzeitig ausgestoßenen Eier nicht gleichzeitig, sondern in einem gewissen Zeitabstand erfolgt, unter Umständen auch durch Samenzellen zweier verschiedener Männer, so daß dann die beiden Zwillinge in Wirklich- keit nur Halbgeschwister wären. Ein solcher Vorgang wird als Überschwängerung(Super- foecundatio) bezeichnet, Bei Tieren ist das Vorkommen einer solchen Überschwänge- rung mit Sicherheit erwiesen. Es kommt häufig vor, daß Hündinnen, die während der Brunst- zeit Hunde verschiedener Rassen zugelassen haben, gleichzeitig Junge verschiedener Bastard- formen zur Welt bringen. Es ist auch schon beobachtet worden, daß eine Stute, die von einem Hengst und einem Esel belegt wurde, gleichzeitig ein Pferde- und ein Maultierfüllen warf. Zweifellos ist der entsprechende Vorgang auch beim Menschen möglich, wenn auch