Der Kampf beginnt!%)
Am 18. April(143) nachts begann der letzte Akt der Tragödie des Warschauer Ghettos. Die Jüdische Kampforganisation trat zur letzten Schlacht an. Mit deutschen, lettischen und ukrainischen Posten wurde um 2 Uhr nachts die Ghettomauer umstellt. Alle 25 m stand ein Posten. Einzeln, zu zweit oder zu dritt tauchten die Deutschen im nicht bewohnten Teil des Ghettos auf, um so die Kämpfer und überhaupt die Bevölkerung zu überraschen. Um 2.30 Uhr erhielten wir die ersten Berichte der von uns ausgeschickten Späher über die Konzentration größerer Truppeneinheiten auf dem Ghettogebiet. Um 4 Uhr morgens hatten alle unsere Kampfgruppen ihre Stellungen bereits bezogen. Sie waren bereit und entschlossen, den einmarschierenden Feind gebührend zu empfangen. Um 6 Uhr früh rückten 2 000 schwerbewaffnete SS- Männer mit Panzern, kleinen Schnellfeuergeschützen sowie mit drei mit Munition beladenen Lastern und Ambulanzen ins Ghetto ein. Zusam- men mit der Waffen-SS erschien der gesamte deutsche„Umsiedlungs- stab“, dem SS-Offiziere und Gestapo angehörten. Da waren Michelson, Handtke, Höfle, Miretschko, Bartetschko, Brandt und Mende 1%). Kein Jude ließ sich blicken. Alle verkrochen sich in unterirdischen Schutz- löchern oder anderen Verstecken. Nur die jüdische Kampforganisation hielt über der Erde Wache. Die Kämpfer hatten drei Schlüsselpunkte des Ghettos bezogen, von welchen sie die Eingänge zu den Hauptstraßen einsehen konnten. Der erste Zusammenstoß fand auf der Nalewkistraße statt, wo zwei verbarrikadierte Gruppen die Straßen verteidigten. Die Schlacht endete mit dem Sieg der Kämpfer. Die Deutschen gingen zurück, ohne ihre Verwundeten mitzunehmen.
168) Neustadt, Seite 159. Aus dem Bericht des jüd. Untergrunds(März 1944), der durch Kurier im Mai 1944 nach London gesandt wurde.
169) Michelson war von der Gestapo in Warschau.
Handtke wurde später Kommandant des Zwangsarbeitslagers Budzyn bei Lublin, wo Häftlinge für die Heinkelwerke arbeiteten.
Hans Höfle, SS-Hauptsturmführer und Chef des Stabes der„Aktion Reinhard“. Bartetschko wurde später Kommandant des Zwangsarbeitslagers Krasnik bei Lublin. Brandt, SS-Hauptsturmführer und„Umsiedlungskommissar“ in Warschau.
Mende gehörte zum SD in Warschau.
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