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Die Endlösung : Hitlers Versuch der Ausrottung der Juden Europas 1939 - 1945 / Gerald Reitlinger ; ins Deutsche übertragen von J. W. Brügel
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ERSTES KAPITEL 5. AUSWANDERUNG NACH KRIEGSAUSBRUCH

geschulten Juden an sich zu ziehen, die so, besonders in Berlin und Breslau, bis zum Februar 1943 vor der Deportation bewahrt

_ blieben(siehe$. 180). ‚ Der Kriegsausbruch am 1. September 1939 brachte keine Änderung

in der Rechtslage der deutschen Juden. Auswanderung war bis zum 1. Oktober 1941 gestattet, also bis zu einem Zeitpunkt, da in den östlichen Ghettos die Ausrottung bereits seit Monaten im Gange war. Einige neutrale Länder standen immer noch offen, der Atlantische Ozean konnte überquert werden, auch Palästina war

‚ erreichbar. Bis zum 20. Juni 1940 konnten Flüchtlinge, die über die

notwendigen Mittel verfügten, sich von italienischen Häfen aus einschiffen, und zwischen dem 20. Juni 1940 und 11. November 1942 konnten sie, auch wenn die Schwierigkeiten immer größer wurden, den Weg durch das unbesetzte Frankreich nach Lissabon oder Casablanca nehmen. Im Mai 1941 beschwerte sich die Ge- stapo, daß die französischen Juden diese beschränkten Möglich- keiten zum Nachteil der mit Erlaubnisscheinen versehenen jüdi- schen Auswanderer aus dem Reich benützten%. Auch Juden in Polen konnten im Anfang dem deutschen Terror entkommen. Ita- lien war auf dem Weg durch die Slowakei und Ungarn, die Häfen des Schwarzen Meeres durch Rumänien zu erreichen. Es gab eine stark benützte Route nach China und Japan über Lettland und die Sowjetunion.

Es ist äußerst schwer, die Zahl der Juden zu schätzen, denen es nach Ausbruch des Krieges gelang, ihrem Schicksal zu entkommen. Aber es ist bekannt, daß während der zweieinhalb Jahre, in de- nen in dem unbesetzten Teil Frankreichs die Organisation HICEM und das„Joint Distribution Committee” bestanden, diese 10000 Ju- den durch Lissabon und 1200 durch Casablanca durchschleusten 6%. Der Ausbruch des Krieges mit Japan fand an die 20000 europäi- sche jüdische Flüchtlinge inSchanghai und 4000 inKobe, die meist erst nach Kriegsausbruch dort angekommen waren. Die Auswan- derung erreichte ihren Höhepunkt zwischen dem Zusammenbruch Frankreichs und vier bis acht Wochen vor Hitlers Einfall in die

| Sowjetunion, als die Russen den Durchgangsverkehr einstellten. ‚ Es ist möglich, daß bis zu 13000 Juden vom Altreich allein frei-

willig in den ersten zwei Kriegsjahren ausgewandert sind(siehe 5.560 f.), eine Zahl, die angesichts des großen Exodus aus Europa nach Palästina im Jahre 1947 nicht überraschen kann. In anderen

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