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Die Endlösung : Hitlers Versuch der Ausrottung der Juden Europas 1939 - 1945 / Gerald Reitlinger ; ins Deutsche übertragen von J. W. Brügel
Entstehung
Seite
XI
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Ein Vorwort

Der Deutsche, der dieses Buch das Buch eines Engländers in die Hand nimmt, hat ein gewisses Recht darauf zu argwöhnen: die hier abgehandelte Frage werde erhoben und beantwortet, damit ein Schatten falle auf das, was man gemeinhin und sehr vage den deutschen Namen nennt.

Wer den Mut hat und jeder, dem das Deutsche mehr als eine unverbindliche Vokabel ist, sollte solchen Mut aufbringen, dieses Buch zu lesen, wird es bald innewerden, daß es ge- schrieben wurde, damit ein Licht falle, ein Licht auf Vorgänge, die sich Jahre hindurch im Dunkel oder im Zwielicht abspielten und von denen die Welt früher sprach, als wir selbst hätten von ihnen sprechen können.

Diese Vorgänge waren an sich so ungeheuerlich und im echten Sinn des Wortes unglaublich, daß jeder fühlende Mensch sich über sie entsetzen muß, und ihre Urheber und Akteure waren darum auch mit Fleiß bedacht gewesen, den Kreis der Wissen- den so eng wie nur möglich zu ziehen. Einige von ihnen haben, angesichts des Todes oder des Richters, das Furchtbare ihres Handelns eingesehen und sind von Reue gepackt worden. Die meisten von ihnen jedoch soweit sie überhaupt irdischer Gerechtigkeit zugeführt werden konnten haben versucht, ihre Verantwortung einzuschränken oder gar zu leugnen. Beide Re- aktionen freilich bestätigen ein und dasselbe: daß niemand verantworten kann, was an Millionen von Menschen geschah, deren einziges Vergehen es war, Jude zu sein.

Es ist dem Menschen von der Natur her ein Maß gegeben für das, was er fassen und begreifen kann. Er nenntunmensch- lich, was über dieses Maß hinausgeht, und diese Vokabel wird von ihm schon angewandt, wenn es um das Verbrechen eines

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