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Die Endlösung : Hitlers Versuch der Ausrottung der Juden Europas 1939 - 1945 / Gerald Reitlinger ; ins Deutsche übertragen von J. W. Brügel
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ERSTES. KAPITEL 4. HEYDRICH UND EICHMANN

gebenen SS-Satrapen, der sich eine elegante Maitresse hielt; aber das von L. Poliakov veröffentlichte Lichtbild, das möglicherweise zehn Jahre früher aufgenommen wurde, als Eichmann gerade in den SD eintrat, macht weniger den Eindruck eines Lebemannes 3. Von dem ernsten Gesichtsausdruck des Studenten dieser Jahre blieben nur die sonderbar glänzenden Augen in den Photogra- phien erhalten, die Eichmanns Personalakten aus dem Jahre 1944 angeschlossen sind. Man fragt sich, ob Eichmann sich seinen Beruf mit Rücksicht darauf gewählt hat, daß ihn seine Kollegen wegen seines jüdischen Aussehens hänselten. Psychologen wären sicher interessiert an der Erklärung, die Eichmann dafür gibt, daß er keine „Sportabzeichen der Partei“ besitzt— eine an sich völlig überflüs- sige Erklärung—, nämlich„wegen einer Verletzung an meiner Hand“%.

Eichmanns Werdegang war der eines deutschen Staatsbeamten, der in seiner Arbeit aufgeht, die ihm keinen Ruhm bringt. Er hei- ratete eine unbedeutende Frau aus kleinbürgerlichem Milieu, die ihm drei Töchter schenkte— die Familie, die seiner Absicht zufolge mit ihm sterben sollte, wenn er Selbstmord beging, was er seinem Freund Wisliceny im Februar 1945 anvertraute. Aber Wisliceny sollte Eichmann ein oder zwei Tage vor der Kapitulation Deutsch- lands wieder zu Gesicht bekommen. Es war in Alt-Aussee im Salz- kammergut, dem letzten Hauptquartier von Kaltenbrunner und des RSHA. Eichmann sagte Wisliceny, daß er seiner Familie falsche Papiere besorgt hätte und daß er selbst sich in den Bergen„bis zum kommenden Konflikt zwischen Ost und West” verstecken werde(siehe S. 545).

Zehn Jahre sind seither vergangen, und Eichmanns Leiche wurde nicht gefunden. Wir wissen nicht, ob er so gestorben ist, wie er es versprach, nämlich daß er„lachend in die Grube springen würde, denn das Gefühl, daß er fünf Millionen Menschen auf dem Gewissen hätte, wäre für ihn außerordentlich befriedigend”©, Jedenfalls betrafen die Morde, bei denen Eichmann seine Hand unmittelbar im Spiele hatte, weniger als eine Million Menschen; seine Verbindung mit den Massakern in Polen und Rußland scheint nur sehr lose gewesen zu sein. Er war ein Großinquisitor, dem keinerlei Zauber oder Romantik anhaftete, und ihn charakterisie- ren voll die Worte seines Freundes Dieter Wisliceny, der ihn für seine erste Aufgabe vorgeschlagen hatte®':

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