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ERSTES KAPITEL 4. HEYDRICH UND EICHMANN
Die simple Wahrheit hat aber die Entstehung neuer Legenden nicht verhindert, so jener, daß Eichmann 1948 in Ägypten auf- getaucht sei, um entkommene deutsche Gefangene für den Kampf gegen die Juden anzuwerben 52, oder daß er nach dem Krieg als Jude nach Palästina zurückgekehrt sei 53,
Eichmann wurde in Wirklichkeit im März 1906 in Solingen als Sohn einer Familie geboren, die früher in Elberfeld gelebt hatte, aber in Eichmanns Kinderjahren nach Linz in Österreich übersie- delte. Sein Vater war Direktor einer elektrotechnischen Firma®%. Er ist also in einer rein österreichischen Atmosphäre aufgewach- sen, wo er sich den österreichischen Dialekt und eine Leidenschaft fürs Reiten aneignete, die in seiner Budapester Blütezeit von 1944 auffiel, als Dr. Kastner Eichmanns krummbeinigen Gang be- merkte 55. Eichmann wurde ursprünglich dafür erzogen, dem Beruf seines Vaters zu folgen, und in allen seinen Dokumenten bezeich- nete er seinen Zivilberuf als„Maschineningenieur“. Er mußte aber sein Studium der Technik 1925 aufgeben, da sein Vater als Opfer der Inflation das Studium nicht länger finanzieren konnte.
Im Jahre 1927 wurde Eichmann Agent der Vacuum Oil A.G., und 1931 fand er für sein Mißgeschick ein Ventil im Beitritt zur öster- reichischen Nationalsozialistischen Partei. Im Juli 1933 überschritt er die deutsche Grenze, und in den nächsten vierzehn Monaten war er im Ausbildungslager der Österreichischen Legion am Lech- feld bei Augsburg. Im September 1934 wurde der Unteroffizier Eich- mann in das Hauptamt des SD in Berlin versetzt, wo er zuerst damit beschäftigt war, eine Kartei der Freimaurer zusammenzu- stellen. Später war er Leiter des Museums des Amtes, wo er sich für zionistische Dokumente zu interessieren begann und einige jüdische und hebräische Brocken erlernte. Leon Poliakov glaubt, daß Eichmann im Jahre 1937 nach Palästina entsandt wurde, um mit den arabischen Aufständischen Fühlung zu nehmen, daß er aber nach 48 Stunden von den britischen Behörden ausgewiesen wurde 56 und daß er von dort nach Kairo ging, wo er sich mit einem Vertreter des Ex-Mufti von Jerusalem, Haji Amin Husseini, anfreundete. Zur Zeit seines angeblichen Palästina-Aufenthalts war Eichmann aber bloß ein Unteroffizier in der SS, der in dem damals noch nicht besetzten Wien als Gestapospitzel arbeitete. Eichmanns Besprechungen mit dem Mufti datierten wahrscheinlich aus den Jahren 1942—44, als der Letztgenannte als akkreditierter
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