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Die Endlösung : Hitlers Versuch der Ausrottung der Juden Europas 1939 - 1945 / Gerald Reitlinger ; ins Deutsche übertragen von J. W. Brügel
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DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG

Angestellter einen Zustrom nach der Hauptstadt hervorgerufen. Obwohl bis Oktober 1939 35 000 Juden das Land verlassen haben mögen, war die Zahl der Juden in Prag von 35 425 auf 46 170 ge- stiegen*. 8000 wurden auf Grund einer Polizeiverordnung vom 11. August aus den kleineren Städten nach Prag abgeschoben®0. Auf diese Weise war der vom„Schwarzen Korps” vorausgesehene Zustand von Massenelend in nahe Sicht gebracht worden, und in Prag schien das historische geschlossene Judenviertel wieder zu erstehen. Aber Heydrich war, wie wir bereits gesehen haben, kein besonderer Freund von Ghettos. Man hatte ihm die entsprechen- den Hinweise auf Überfüllung und Epidemiegefahr an die Hand gegeben. Der nächste Schritt war Massendeportation, sobald ent- sprechendes Gebiet dafür verfügbar war, zunächst in Polen und später in der Sowjetunion. Aber wohin immer die Juden gehen sollten, sie mußten zum Werkzeug ihrer eigenen Vertreibung ge- macht werden. Der Rat der Prager Kultusgemeinde hatte das Vor- bild für die Judenräte zu bilden, die in den polnischen und russi- schen Städten von 1941 bis 1943 die Namen der dortigen Juden zu verzeichnen, sie zu Sammelplätzen zu bringen und ihnen später zur Hinrichtungsstätte oder ins Todeslager zu folgen hatten. Dieses System war zweifellos Heydrichs Erfindung, der etwas Ähnliches unmittelbar nach dem Anschluß im März 1938 bei den Wiener Juden in Anwendung gebracht hatte; und mit seinem Er- folge dabei hat er dann auf der von Göring am 12. November ab- gehaltenen Besprechung geprahlt. Eichmann hat sich zwar sieben Jahre später den in Nürnberg aussagenden Zeugen Willi Höttl und Dieter Wisliceny gegenüber damit gebrüstet, daß er den Tod von fünf Millionen Juden herbeigeführt habe, aber er war nichts als Heydrichs ausführendes Organ, das seine Lehrzeit im Zentralamt für jüdische Auswanderung durchgemacht hatte.

Da Eichmann möglicherweise noch am Leben ist, kann vielleicht noch mehr über die Stellung bekannt werden, die er in der SS- Hierarchie schließlich einnahm, aber die Akten der Abteilung „Deutschland III” des Auswärtigen Amtes haben bereits gezeigt, daß die Tätigkeit des Juden-Inquisitors sich weder autokratisch noch im Geheimen abspielte(s. S. 81 ff. u. 106). Andere Eichmann- Legenden wurden durch die Entdeckung seiner vom SS-Personal- amt geführten Personalakten zerstört, so z.B. die, daß er in Pa- lästina in der deutschen Templer-Kolonie Sarona geboren sei®!,

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