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ERSTES KAPITEL 4. HEYDRICH UND EICHMANN
telstelle, durch die sich ein Jude an deutsche Ämter wenden konnte. Im Altreich, wo die Schaffung der„Reichsvereinigung der deut- schen Juden” erst nach Jahren eines erzwungenen Zusammen- schlusses bestehender jüdischer Fürsorgeorganisationen erfolgte, hatte es viel länger gebraucht, ehe dieses Stadium erreicht werden konnte.
Am 22. Juli 1939 wurde eine Zweigstelle des sechs Monate alten Zentralamtes für Jüdische Auswanderung vom SS-Untersturmführer Hans Günther eröffnet, der einem gewissen SS-Hauptsturmführer Eichmann unterstand. Trotz Görings Auftrag vom 24. Januar ge- hörte Eichmann zu Heydrichs Sicherheitsdienst. Ebenso wie in Wien, arbeitete auch in Prag die Gestapo direkt im Gebäude des Rats der Israelitischen Kultusgemeinde#7, und es war die Aufgabe des Rates, die Tagesquote jüdischer Auswanderer bereitzustellen. Wenn die Anzahl nicht erreicht war oder das Kopfgeld nicht ein- gezahlt wurde, dann konnten die dafür Verantwortlichen einer Verschickung ins Konzentrationslager gewärtig sein. Unter diesen Umständen kamen die ärmsten Juden zunächst mit der Auswan- derung dran, weil jene, von denen bekannt war, daß sie über Vermögen verfügten, selbst mit der Gestapo verhandeln mußten. Die von Eichmann verlangten„Quoten-Juden“ wurden mit ihren Ausreisebewilligungen in die Häfen und Grenzstationen abge- schoben. Tausende wurden mit zweifelhaften Sichtvermerken la- teinamerikanischer Staaten oder mit britischen Zulassungsscheinen für Palästina auf deutsche Schiffe verfrachtet, und viele mußten wochenlang auf hoher See hin- und herfahren, wie z.B. die jüdi- schen Passagiere des Hamburg-Amerika-Dampfers„St. Louis”, der im Mai 1939 nach Kuba in See stach.
Anfangs verlangte Eichmann die Auswanderung von 70 000 Juden innerhalb eines Jahres. Dr. Kafka, der Vorsitzende des Rates der Prager Kultusgemeinde, machte den Einwand, daß das Eigentum des Rates gesperrt war. Eichmann drohte dann, jeden Tag 300 Ju- den straßenweise zu verhaften und nach Dachau und Merkelsgrün zu schicken,„wo sie ein großes Interesse für die Auswanderung bekommen werden“. Schließlich wurde das Geld irgendwie auf- gebracht. Wäre der Krieg nicht fünf Wochen später ausgebrochen, dann hätten Eichmanns Forderungen volle Erfüllung gefunden. In der Zwischenzeit hatten die Sperre der jüdischen Guthaben, die Wegnahme der jüdischen Geschäfte und die Entlassung jüdischer
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