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Die Endlösung : Hitlers Versuch der Ausrottung der Juden Europas 1939 - 1945 / Gerald Reitlinger ; ins Deutsche übertragen von J. W. Brügel
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DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG

her, am 30. Januar, in einer Reichstagsrede, die zwei Stunden und

zweiundzwanzig Minuten dauerte, folgendes gesagt*: Ich will heute wieder ein Prophet sein. Wenn es dem inter- nationalen Finanzjudentum in- und außerhalb Europas gelin- gen sollte, die Völker noch einmal in einen Weltkrieg zu stür- zen, dann würde das Ergebnis nicht die Bolschewisierung der Erde und damit der Sieg des Judentums sein, sondern die Ver- nichtung der jüdischen Rasse in Europa.

Diese Worte waren in einer endlosen und weitschweifigen Rede

enthalten, aber sie waren wohlüberlegt. In späteren Jahren hat

Hitler seine Hörer oft an diese prophetischen Worte erinnert, und

er hat sie mindestens fünfmal öffentlich wortwörtlich wiederholt#,

4. Heydrich und Eichmann

Der nächste Akt in dem Drama der Endlösung begann fünf Wochen später, am 15. März 1939, als Hitler in Prag einmarschierte und das Protektorat Böhmen und Mähren verkündete. Zum erstenmal herrschte Hitler über ein Land, das ihm vorwiegend feindlich im Gefühl und fremd in der Sprache gegenüberstand. Obwohl die Tschechoslowakei ohne einen Schuß abzugeben kapituliert hatte, bestand in dem Land praktisch für die nächsten sechs Jahre Stand- recht. Die Deutschen gaben ihre Aufträge, die Marionettenregie- rung Dr. Hachas hatte sie auszuführen. Auf diese Weise wurde eine ungeheure Zahl von Juden an die Gestapo auch ohne jenes Mindestmaß von Schutz ausgeliefert, das das Gesetz in Deutsch- land den Juden immer noch zuerkannte. Daraus folgte eine er- zwungene Auswanderung in einem Ausmaße, das nicht einmal in Österreich erreicht wurde. Etwa 35000 Juden verließen während der nächsten sechs Monate das Land*.

Heydrich kam der historische Status der tschechischen Juden bei der Durchführung seiner Pläne zustatten, denn der von der Prager Kuliusgemeinde gewählte Vorstand hatte durch Generationen die Hilfeleistung für bedürftige Juden organisiert. Seine Leute mach- ten daher die Prager Kultusgemeinde, deren Amt zu einer vollen Bürokratie mit 32 Abteilungen ausgebaut wurde, zur einzigen Mit-

* Im März 1939 war die jüdische Bevölkerung in Böhmen und Mähren durch Flüchtlinge aus Österreich und den nach München an Deutschland abgetretenen Gebieten verstärkt und dürfte 122 000 oder gar 129 000 betragen haben. Im Oktober 1939, am Vorabend der ersten Massendeportation nach Polen, war die Zahl auf 90 147 zurückgegangen#,

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