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ERSTES. KAPITEL 3. DER SCHACHT-PLAN UND SEIN VERSAGEN
sein muß— ermächtigte Heydrich,„die Judenfrage in Form der Auswanderung oder Evakuierung einer den Zeitverhältnissen ent- sprechend möglichst günstigen Lösung zuzuführen”*#2. In der Besprechung vom 12. November erwähnte Göring ganz nebenbei, daß Hitler die Möglichkeit einer Ansiedlung der Juden in Madagaskar erwäge, und so wurde das Wort„Evakuierung” mit dem Wort„Auswanderung“ zusammengekoppelt. Am 7. Fe- bruar war die Auslandspresse in Berlin zu einer wichtigen Presse- konferenz eingeladen, in der Alfred Rosenberg sprach, der da- mals ein einigermaßen nebelhaftes„Außenpolitisches Amt” lei- tete. Der„Völkische Beobachter” zitierte ihn folgendermaßen*: „Da... Palästina... nicht in Frage kommt..., so bleibt eben als einzige Frage zu lösen übrig, ob und welches in sich ab- geschlossene große Territorium die Demokratien bereitstellen wollen, um die Juden als Gesamtheit umzusiedeln. Dieses Ter- ritorium müßte eine Kapazität von rund 15 Millionen Juden vorsehen. Zu diesem Zweck müßten die jüdischen Millionäre und Milliardäre aus aller Welt etwa dem Büro der Evian-Kon- ferenz in London ihre Mittel zur Verfügung stellen... Wenn sich Millionen von Juden ansiedeln, so gebietet die primitivste Menschenfreundlichkeit den Juden gegenüber, es nicht sich selbst zu überlassen, sondern jede größere Kolonie unter die Oberaufsicht einer polizeilich gut durchgebildeten Verwal- tung zu stellen... Bei einer solchen Ansiedlung kann nicht von der Errichtung eines Judenstaates die Rede sein, sondern von der Errichtung eines jüdischen Reservats.” Wo beabsichtigte Rosenberg diese Strafkolonie unter fremder Polizeiverwaltung zu errichten? In Madagaskar, wo Hitler keiner- lei territoriale Absichten hatte, oder in dem russischen Lebens- raum, für dessen Eroberung sich Rosenberg so beharrlich ein- setzte? Die Verwirklichung dieses Planes hatte Krieg und die Annexion von Gebiet als Voraussetzung. Aber über diese Even- tualität hatte Hitler in ganz unzweideutigen Worten erst kurz vor-
*Es sei darauf hingewiesen, daß das Wort„Endlösung“, das in Görings erneutem Auftrag an Heydrich vom 31. Juli 1941 eine so große Rolle spielt, in diesem ersten Schreiben nicht verwendet wird. Nichtsdestoweniger schreibt Heydrich am 6. November 1941 an Generalquartiermeister Wagner(siehe S. 349):„.. zumal ich seit Jahren damit
die Endlösung der Judenfrage in Europa vorzubereiten.” Heydrich
beauftragt bin,- er nicht immer mit
datierte seinen Auftrag wahrscheinlich vom 24. Januar 1939, war ab der gleichen Lösung beschäftigt.
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