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Die Endlösung : Hitlers Versuch der Ausrottung der Juden Europas 1939 - 1945 / Gerald Reitlinger ; ins Deutsche übertragen von J. W. Brügel
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Cher. Nur auf dem Papier

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sich ein Allbi zu| mehr als nur ei ar. Am Abend 3 #ejführern in Münr

ERSTES KAPITEL 2. DIE KRISTALLNACHT

‚chen, sondern in einem Hotel in Nürnberg mit Werner Best, einem ‚seiner Gestapo-Chefs, dem zufolge Heydrich vollkommene Unwis- senheit vortäuschte, als eine benachbarte Synagoge in Flammen aufging, und Befehle an die Staatspolizei erst aufgab, nachdem er mit Himmler in Berlin telefonisch gesprochen hatte%, Am 11. November schickte Heydrich einen Bericht an Göring, wonach 19] Synagogen und 171 Wohnhäuser in Brand gesteckt und 815 Geschäfte geplündert worden waren?. Nur 117 Plünderer waren in Haft genommen worden, aber über 20000 Juden wurde dieSchutzhaft verhängt, und die Hälfte von ihnen wurde nach Buchenwald gebracht*28, 36 Juden wurden getötet, und 36 wur- den schwer verwundet. Am Tage darauf gab Heydrich aller- dings schon zu, daß die Schätzungen viel zu niedrig gegriffen waren. In Wirklichkeit waren 7500 Geschäfte geplündert worden. Drei Monate später kam sogar ein Parteigericht nicht um das Ge- ständnis herum, daß die Ausschreitungen von weit höheren Stel- len organisiert worden waren als von einfachen Parteimitgliedern, deren Verhalten untersucht wurde. Das Gericht schloß daraufhin fünf Mitglieder aus der Partei wegen Vergewaltigung, Diebstahls und Mordes aus und suspendierte einige andere, aber ersuchte den Führer, die Verfahren vor den staatlichen Strafgerichten niederzuschlagen?°. Die Pogrome waren nur die inoffizielle Strafe für die Tötung vom Raths. Die offizielle wurde erst am 12. verkündet, als Göring seine interministerielle Besprechung im Luftfahrtministerium abhielt. Ob- wohl drei der sieben Teile des Protokolls fehlen, enthält das Pro- tokoll der Sitzung, die von 11 Uhr vormittags bis 2 Uhr 40 nach- mittags dauerte, 10000 Worte. Trotzdem hatte diese erlauchte Ge- sellschaft keine richtigen Beschlüsse zu fassen; sie hatte bloß das Recht, sich zu äußern und im übrigen der vollen Stimme desReichs-

* Eugen Kogon zufolge betrug die genaue Zahl der nach der Kristallnacht nach Buchen- wald gebrachten Juden 9815. Das Konzentrationslager Buchenwald war damals kaum ein Jahr alt, doch befanden sich schon 2700 Juden, die im Juni und August hingebracht worden waren, im Lager. Die Nevankommenden wurden nicht in das halbwegs ordent- lich eingerichtete Hauptlager gebracht, sondern imKleinen Lager in der primitivsten Weise untergebracht. Dieses Lager wurde am 13. Februar 1939 aufgelöst, nachdem die meisten derNovember-Juden freigekauft worden waren. Eine große Zahl von ihnen war in Buchenwald gestorben. Während des Krieges wurde dasKleine Lager wieder in Betrieb genommen, sobald größere Transporte eintrafen, und es hatte eine noch schlimmere Rolle während der Ausrottung der Juden in der Zeit vom Januar bis April 1945 zu erfüllen(siehe Seite 521).

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