DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG
marschalls zu lauschen, der in bester Verfassung gewesen zu sein scheint, nachdem er kurz vorher vom Führer den Auftrag erhalten hatte,„wonach die Judenfrage jetzt einheitlich zusammengefaßt werden soll und so oder so zur Erledigung zu bringen ist“®, In dem angenehmen Gefühl, in einem totalitären Staat zu leben, wo alles über ihre Köpfe hinweg geregelt wird, mußten die Teilneh- mer der Konferenz ihre Aufgabe nicht allzu ernst nehmen. Den Ton gaben die Auseinandersetzungen zwischen Goebbels und Göring an. Goebbels verlangte besondere Eisenbahnabteile für Juden, aber nur für den Fall, daß der Zug nicht überfüllt sei, weil es sonst geschehen könnte, daß Juden gesicherte Sitzplätze hätten und Nichtjuden stehen müßten. Im Falle der Überfüllung sollten sie„draußen im Flur“ zu stehen haben. Göring war anderer Mei- nung: man brauche kein Gesetz für den Fall der Überfüllung eines Zuges.„Da wird er(der Jude) hinausgeschmissen, und wenn er allein auf dem Lokus sitzt während der ganzen Fahrt.” Die Be- rufsbeamten Stuckart, Funk, Woermann, von Krosigk und Fisch- böck waren nicht ganz so leichten Mutes. Aber die landläufige Entschuldigung, daß sie gegen den Strom zu schwimmen versuch- ten, ist kaum eine zureichende Rechtfertigung. Funk schlug z. B. vor, daß die Juden die Aktien ihrer eigenen Firmen behalten soll- ten, aber er begründete das mit Befürchtungen, es könnte einen „Run auf dem Kapitalmarkt geben“. Während Heydrich gegen die Schaffung von Ghettos war— aus genau den gleichen Gründen, aus denen er später die Ausrottung ihrer Bewohner vorschlug—, war Funk für Ghettos. Aber der Finanzminister Schwerin von Kro- sigk, der mit einem Rhodes-Stipendium in Oxford studiert hatte, hielt die„Aussicht, zum Ghetto kommen zu müssen”, für„keine angenehme”. Namens des Auswärtigen Amtes machte Woermann die Notwendigkeit des Schutzes ausländischer Juden geltend. Er fürchtete, daß die Vereinigten Staaten Vergeltungsmaßnahmen gegen deutsches Eigentum treffen würden.
Das schwierigste Problem, das die Verordnungen des Führers auf- geworfen hatten, betraf die Versicherungen. Göring ging von der Ansicht aus, daß die Versicherungsgesellschaften nicht gehalten werden sollten, für die Schäden aufzukommen, aber Reichsgrup- penleiter Eduard Hilgard, der eingeladen worden war, namens der Versicherungsanstalten zu sprechen, machte darauf aufmerk- sam, daß die meisten betroffenen Grundstücke in„arischem”
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