DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG
12. November verkündete. Was Goebbels betrifft, berichtet Prinz Schaumburg-Lippe, daß er ihn die Pogrome wütend verurteilen und für sie Ribbentrop„und seinen dämlichen Rathfall“ verant- wortlich machen hörte'?.
Die Pläne für die gleichzeitigen Pogrome in ganz Deutschland sind offenkundig beim Eintreffen der ersten Nachrichten über die Schüsse auf vom Rath ausgearbeitet worden. Die Vorfälle in der Nacht des 9. konnten nicht in wenigen Stunden ins Werk gesetzt werden. Hitler nützte den Erfolg dieser Nacht aus, um sich des Zornes des deutschen Volkes als eines Vorwandes für Maßnahmen zu bedienen, die zur vollkommenen wirtschaftlichen Beraubung der Juden führen sollten und die er bereits im April des Jahres geplant hatte. Es ist also möglich, daß er die Pogrome auch selbst angeordnet hat. Andererseits hatten die Radikalen in der Partei einen Grund, ihn vorwärtszutreiben. Das Massaker unter Röhms Gefolgschaft am 30. Juni 1934 hatte den Aufstieg der SS zur ein- zigen bewaffneten Polizeiformation der Partei möglich gemacht. In den folgenden vier Jahren war die SS in alle Bereiche der Re- gierungstätigkeit eingedrungen, und das war nur auf Grund der immer wiederkehrenden Krisensituationen geduldet worden, die durch Hitlers Herausforderungen an die ausländischen Mächte entstanden. Dann hatte Neville Chamberlain am 29. September 1938 vom„Frieden in unserer Zeit” gesprochen. Wenn das die deutsche Entwaffnung bedeutete, was sollte aus der SS werden®* Wenn, wie Hans Gisevius meint, Hitler die Pogrome in Szene ge- setzt hat, um„die mühsam aufgeputschten revolutionären Leiden- schaften nicht zum Abflauen kommen zu lassen“?!, so hatte die SS und insbesondere der Reichsführer Heinrich Himmler alles von ihnen zu gewinnen; aber Ulrich von Hassell, der die besten pri- vaten Informationsquellen in Deutschland hatte, erfuhr von Gün- ther Schmitt, dem Kommandeur von Himmlers Leibgarde, daß
* Wenn die Pogrome in Szene gesetzt worden wären, um die westliche öffentliche Mei- nung herauszufordern und Hitler daran zu hindern, sich dem Münchner Geist des „Appeasement” anzupassen, könnte das Ergebnis nicht besser gewesen sein. Dirksen, der deutsche Botschafter in London, berichtete am 17. November, daß keine weitere Aussicht dafür bestehe, daß Chamberlain in nächster Zeit Besprechungen auf der Grund- lage des in München zwischen ihm und Hitler unterzeichneten Protokolls vorschlagen werde, daß Chamberlain an Prestige verloren habe und daß sich der deutschfreund- lichen britischen Kreise Niedergeschlagenheit bemächtigt habe. Es muß nicht erst be- tont werden, wie nahe der Wahrheit dieser Bericht kam, der an Ribbentrop abging, einen Mann, der nichts so sehr haßte wie die Wahrheit).
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