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ERSTES KAPITEL 2. DIE KRISTALLNACHT
kaum je erfahren. Goebbels konnte jedenfalls am 7. November 1938, da er sicher war, daß die französische Regierung sich mit einer öffentlichen Gerichtsverhandlung nicht beeilen würde, Gryn- szpans Tat jede Auslegung geben, die ihm paßte, ohne Wider- spruch befürchten zu müssen.
Am 9. November feierte Hitler, wie jedes Jahr, den Jahrestag seines sinnlosen Bierhallenputsches vom Jahre 1923 durch den tra- ditionellen Marsch der Parteiführer zur Münchner Feldherrnhalle. Vor einem anschließenden Abendessen im Rathaus wurde Hitler mitgeteilt, daß vom Rath seinen Verletzungen erlegen sei. Göring, der bei dem Abendessen nicht anwesend war, behauptete in seiner Aussage in Nürnberg, daß Hitler den Tisch frühzeitig verlassen hätte, ohne eine Ankündigung zu machen. Es war Goebbels, der der Versammlung die Nachricht überbrachte. Dem Vorsitzenden des Parteigerichtes, Major Walter Buch, zufolge hat Goebbels mitgeteilt, daß„spontane“ Repressalien gegen die Ju- den bereits eingesetzt hätten'*. Göring befand sich in diesem Augenblick in seinem Schlafwagen auf dem Wege nach Berlin. Er erfuhr von dem Pogrom, das sich in der Nacht ereignet hatte, am Morgen auf dem Anhalter Bahnhof und scheint sofort angenom- men zu haben, daß Goebbels hier seine Hand im Spiel gehabt hatte. Der Wirtschaftsminister Walter Funk stand unter dem glei- chen Eindruck. Als er am Morgen telephonisch mit Goebbels dar- über sprach, antwortete dieser mit dem Gegenvorwurf, daß die Pogrome Funks Schuld seien, weil er es versäumt hätte, die Juden aus dem Wirtschaftsleben auszuschalten, obwohl er zu Beginn des Jahres aufgefordert worden war, entsprechende Schritte vor- zubereiten. Hitler hätte nun, sagte Goebbels, neue Verordnungen herausgegeben, die dieses Ziel verwirklichen sollten’”.
Göring sprach Hitler am Nachmittag des gleichen Tages und hielt ihm vor, daß die Pogrome im Ausland einen schlechten Eindruck machen würden, da sie so bald nach dem Übereinkommen von München erfolgten, und daß der Vierjahresplan gefährdet werden könnte, wenn sie weiter anhielten. Hitler schien all dem zuzustim- men. Erst am Abend, nachdem er mit Goebbels gesprochen hatte, beharrte Hitler darauf, daß seine Pläne für eine kollektive Bestrafung der Juden bis in die letzte Einzelheit durchgeführt würden'®, Diese Version läßt allerdings die unverkennbare Be- friedigung außer acht, mit der Göring Hitlers Maßnahmen am
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