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Judenverfolgung im Dritten Reich / Wolfgang Scheffler
Entstehung
Seite
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E- Anhang

1. Anregungen für den Unterricht

An derJudenverfolgung unter der Herrschaft des Nationalsozialismus kann bei der Behandlung der deutschen Geschichte von 1933 bis 1945 am überzeugendsten dargestellt werden, wohin es führt, wenn in einem Regierungssystem die Menschen- und Bürgerrechte mißachtet werden, Terror und Schrecken dagegen für eine Minderheit im Staate die entscheidenden Lebensbedingungen sind. Die Schüler, die die Zeit vor 1945 nicht miterlebt haben, stehen diesem Thema, wie auch dem ganzen Bereich der Zeitgeschichte, kühl und nüchtern gegenüber. Gerade angesichts des Mißtrauens in der Öffentlichkeit gegenüber Lehrerschaft und Elternhaus und des nicht zu unterschätzenden Generations- unterschiedes zwischen denjenigen, die die Jahre zwischen 1933 und 1945 bewußt miterlebt haben und den zu Unterrichtenden hat der saubere, wahrheitsgemäße Geschichtsunterricht eine funda- mental politisch-pädagogische Bedeutung. Dieunbewältigte Vergangenheit ist in erster Linie das Problem der älteren Generation. Aufgabe des Unterrichtenden sollte es sein, 1. Tatsachenwissen zu vermitteln; 2. die menschliche Tragödie, die hinter dem Schicksal eines jeden Verfolgten steht, deutlich sichtbar werden zu lassen. Erst wenn der einzelne Schüler sich plastisch vorstellen kann, was ihm selbst unter einem solchen Regime hätte passieren können, sofern er unter dessen Ausnahmegesetze gefallen wäre, ist es möglich, die Verbindung zum historischen Geschehen herzustellen. DasTagebuch der Anne Frank eignet sich hierfür sehr gut. Weiterhin ist es notwendig, das ThemaJudenverfolgung in die Darstellung des Gesamtbereiches der Geschichte des Nationalsozialismus pädagogisch sinnvoll einzubauen und in den richtigen Pro- portionen zu betrachten. Nichtgute Autobahnen,Kraft durch Freude oderNS-Volkswohlfahrt sind für die Beurteilung der Ereignisse wichtig oder gar entscheidend. Einzelnegute Maßnahmen* können niemals über den Unrechtscharakter des ganzen Systems hinwegtäuschen. Es ist nicht möglich, die eine, angeblichgute Seite des Regimes zu bejahen, vor den negativen jedoch die Augen mehr oder minder bewußt zu verschließen. Eine solche Betrachtungsweise vermittelt nicht nur ein falsches historisches Bild, sondern sie demaskiert auch den Betrachter als stillen Anhänger des Nationalsozialismus. Neben der historischen Tatsachenvermittlung darf dabei den vielen peinlichen Fragen nach dem politischen Versagen des deutschen Volkes, beziehungsweise der mangelnden demokratischen Festig- keit des Durchschnittsbürgers in jenen Jahren nicht ausgewichen werden. Nur bei größter Wahrheits- liebe kann man hoffen, daß dieunbewältigte Vergangenheit nicht auch zum politischen Haupt- problem der heranwachsenden Generation wird. Die Erfahrung hat gezeigt, daß das Eingeständnis von eigenen politischen Fehlern oder Fehibeurteilungen keineswegs der Autorität des Erziehers abträglich ist. Besonderer Wert muß darauf gelegt werden, die vielfach vorherrschende Neigung der Schüler nach der ablenkenden Erörterung von Zeitfragen, die mit dem Thema der Judenverfolgung verknüpft sind, nicht zu ignorieren, ohne ihnen dabei allzu entscheidende Bedeutung beizumessen. Die Fragen

zur Wiedergutmachung oder zur Gesamtzahl der dem nationalsozialistischen Terror zum Opfer

gefallenen Menschen sind hierfür leider vieldiskutierte Beispiele.

DieKlage, Herr X erhalteunerhört viel Geld vom Entschädigungsamt, muß zur Erörterung des Leidens der Verfolgten unter Hitler und den dahinterstehenden Menschenschicksalen führen; an ihnen kann die Problematik der Wiedergutmachung(heutiges Alter der Verfolgten, verlorene Jahre und Chancen) deutlich gemacht werden.

Das weitverbreiteteAufwiegen menschlicher Schicksale(Judenverfolgung gegen Vertreibung der Deutschen aus dem Osten) muß zum Anlaß genommen werden zu zeigen, daß ohne den nach 1933 in Deutschland herrschenden Unrechtsstaat kein Deutscher seine Heimat verloren hätte. Die Schüler sollen ein Gefühl dafür bekommen, daß Überreste und erst recht neue Formen des

* Vgl. in dieser Reihe Heft 7, H.-J. Winkler: Legenden um Hitler. Berlin 1963.

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2, Zeittafel