Haltung der meisten Naziführer war auf der Anklagebank recht erbärmlich. Der amerikanische Psychiater, der die Angeklagten im Nürnberger Gefängnis zu betreuen hatte, berichtet, daß Ernst Kaltenbrunner immer, wenn er von ihm besucht wurde, in seiner Zelle zusammenbrach und weinte.Er hatte Angst und suchte Trost mit diesen Worten wird der Mann charakterisiert, der als allmächtiger Nachfolger Heydrichs Befehle gegeben hat, die Tausende schuldig werden ließen!?., Die Uniform und die vielgerühmte Treue, die Pflege des blin- den Gehorsams als besondere Tugend, die Heiligkeit des Fahnen- eides, aber auch die Verächtlichmachung menschlicher Gefühle, die dazu führte, daß man sich menschlicher Regungen schämte, die Ausschaltung von Diskussion und Kritik und die Unmoral des Herrenmenschen, der sich alles erlauben darf all das zusam- men machte es möglich, daß Durchschnittsmenschen wie Mennecke oder Landau Massenmörder wurden. Das ermöglichte es erst, daß ihnen ihre Untaten gar nicht richtig zu Bewußtsein kamen. Er- schreckt muß man feststellen: Ein totalitäres System macht in wenigen Jahren das Unwahrscheinliche, Unglaubhafte, das Un- mögliche nicht nur möglich, sondern für viele selbstverständlich. Was wir schaudernd und widerstrebend gelesen haben, wurde vor gar nicht so langer Zeit von Menschen vollbracht, die Kant gelesen hatten wie Professor Kremer, die für Beethoven und Wagner schwärmten, die es liebten, über Probleme der Kunst und der Kultur anregend zu plaudern. Was für eine Zeit war das doch! Ist sie endgültig vorbei? Ist eine Wiederholung unmöglich? Parteien, die das Unmenschliche befehlen, müssen nicht dieselbe Farbe und das gleiche Symbol haben; die Opfer müssen auch nicht demselben Personenkreis an- gehören. Sind wir davor sicher, daß heute keine Gewalt die Un- menschlichkeit auslösen kann, die damals die Krematorien in Auschwitz Tag und Nacht in Betrieb hielt? Wenige Jahre vorher hätte jedermann etwas derartiges für völlig unmöglich gehalten. Viele hielten es noch für ausgeschlossen, als es bereits geschah. Was könnte uns heute die Berechtigung geben, uns sicherer zu fühlen als die Generation vor Auschwitz? Sind Kremer und Mennecke, Landau und Jacob außergewöhn- lich schlechte, unterdurchschnittlich schwache Charaktere? Oder haben sie so Unvorstellbares verbrochen, weil sie in einer außer- gewöhnlichen Situation nicht die Kraft hatten, menschlich zu blei- ben weil ihnen niemand die Kraft vermittelte, wie Menschen zu fühlen und zu handeln und es auf sich zu nehmen, gegen den Strom zu schwimmen? Sind sie nicht Produkte ihrer Zeit, einer Zeit, der wir noch nicht entwachsen sind? 130 veral gung Notw diese die P nen der\ von( zwei