Skeptikern gewidmet Im Vernichtungslager Auschwitz bestand eine Geheimorgani- sation der Häftlinge. Sie bemühte sich, die Welt wissen zu lassen, was in Auschwitz verbrochen wurde. Es ist ihr mit Hilfe von pol- nischen Zwangsarbeitern, die in Lagernähe arbeiten mußten, ge- lungen, Nachrichten über den Umfang des Massenmordens an die polnische Widerstandsorganisation in Krakau zu schicken. Sie wurden von dort über Geheimsender nach London weitergeleitet und dort lange Zeit beiseitegelegt, weil man sie nicht glaubte. Als im Frühling 1944 in Auschwitz von der SS Vorbereitungen für die größte Vernichtungsaktion die Deportation von hun- derttausenden ungarischer Juden in einigen Wochen getroffen wurden, erfuhr diese Geheimorganisation davon. In einem Schrei- ben, in dem das Schicksal der Deportierten in den Gaskammern von Auschwitz geschildert wird, und das aus dem Lager hinaus und weiter nach Ungarn geschmuggelt wurde, warnte sie ein- dringlich. Selbst zu diesem Zeitpunkt, nachdem der Massenmord an Juden schon jahrelang durchgeführt worden war, ist diese Warnung als übertrieben betrachtet und nicht so ernst genom- men worden, wie sie es verdient hätte. Es überstieg alle Vorstellungskraft, zu glauben, daß ein Staat in Mitteleuropa, im 20.Jahrhundert, kaltblütig Völkermord an- ordnen könne; daß seine Führer die von ihnen selbst befohlenen Maßnahmen rundweg ableugnen und daß ihre Stimmen, die aus allen Lautsprechern tönten, dabei Überzeugungskraft ausstrah- len konnten. Der Nationalsozialismus war sich schnell dessen be- wußt geworden, daß seine Lügen glaubwürdiger schienen als seine Taten. So stempelte das System alle, die warnten, zu Hetzern und Verleumdern, leugnete frech, was es tat, und profi- tierte noch davon, daß das von ihm im geheimen Angeordnete, so unvorstellbar und unglaublich war. Wie jedes totalitäre Sy- stem hatte auch der Nationalsozialismus alle Propagandamittel fest in der Hand. Die Wahrheit wurde zensuriert, die Warnenden nach allen Regeln der Kunst diskreditiert, die Welt wurde be- 7