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... wir haben es getan : Selbstporträts in Tagebüchern und Briefen 1939 - 1945 / Hermann Langbein
Entstehung
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kaffee nach Hause, das sie im Regen auf der Straße aufgelesen hatte, Man wunderte sich übrigens, als man die Amerikaner tatsächlich unter Regenschirmen Soldat spielen sah. Es waren durchschnittlich mittelgroße, jüngere und gut genährte Leute, denen man zuweilen den Rassenmischling deutlich ansah. Zumal war die Bekleidung und Waffenausrüstung erstklassig. Ein wirklich tolles Stück erlebte ich dann gegen 16 Uhr, als Frau Glaser eben ausgefahren war und ich mich zum Herausholen von Sachen in den Keller begeben wollte. Ganz unverhofft stieß ich nämlich auf der untersten Stufe der Keller- treppe auf zwei ganz unheimliche Gestalten, die sich an unserem Keller zu schaffen machten und mich plötzlich mit einem flackernden Kerzenstummel beleuchteten. Der eine der beiden Gesellen war durch das Fenster in unseren Keller eingedrungen und kehrte mir sein Hinterviertel zu, während der andere im Kellerflur stand und ihm mit der Kerze leuchtete. Im ersten Moment dachte ich, es handle sich hier um 2 Einbrecher, amerikanische Soldaten, welche sich an unsere Vorräte heranmachten. Ich merkte aber bald, als ich mich mit ihnen verständigte, daß sie dort nach Unterschlupflöchern, Waffen, Munition, usw. suchten. Ich ging ihnen aber nicht von der Pelle, redete ihnen etwas zu und verstand es so, mehr und mehr ihr Interesse abzu- lenken und sie auf diese Weise nach kurzer Zeit, ohne daß sie die Oberwohnung betreten hatten, wieder aus dem Hause zu bekommen. Später hörte ich dann, daß die beiden parterre bei Lückes ein Fenster eingeschlagen hatten, nach Durchstöbern der Wohnung in den Keller gelangt waren und hier überall herumspioniert hatten. Inzwischen wurde auch der noch fahrbereite Wagen von Prof. Lenhartz aus der Garage hinter dem Hause requiriert. Abends brach gelegentlich die Sonne mit Kraft im abgehenden Regen durch und man sah dabei einen solch herrlichen Regenbogen über der Stadt Münster, wie ich ihn nur selten in meinem Leben habe beobachten können. Trotzdem ging der Krieg weiter, die Kanonen dröhnten vielfach mit unvermin- derter Stärke und Massen von Kriegsfahrzeugen durchrasten die Stadt. Unheimliche Gerüchte von drakonischen Anordnungen gingen herum.

Der Krieg ist aus, der Nationalsozialismus ist zer- schlagen. Professor Kremer führt sein Tagebuch wei- ter. Er hat Schwierigkeiten wegen seiner Mitgliedschaft bei der SS. Aber man kann sich helfen.

6. 8. 1945:

Hatte gestern und heute nacht starke Beschwerden im Bereiche der Blase, der rechten Niere und des rechten Harnleiters, die meines Er- achtens auf den Durchtritt eines Niernsteines zurückzuführen sind. Erhalte heute vom geschäftsf. Oberbürgermeister Zuhorn den Heran- ziehungsbefehl zum Schippen. Beginn der Arbeit: Morgen um 19 Uhr auf dem Servatiiplatz. So etwas muß man sich gefallen lassen, weil

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