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ganze Straße entlang bereits in Schützenlinie ausgeschwärmt und Erdlöcher gebuddelt. Kein Mensch wußte aber, ob Münster verteidigt werden sollte. Jedenfalls hielt es jedermann für einen ganz aussichts- losen Kampf, zumal, da kein Mensch die Leute mehr zusammenhalten konnte. Wenn z. B. ein Mann mit 20 Mann ausgeschickt worden war, kam vielleicht nur mehr die Hälfte zurück; der Rest war auf eigene Faust losgegangen. Man merkte auch jetzt bald, wie die Situation ernster wurde. Man erzählte sich, daß die Flakkaserne in Gievenbeck bereits von den Amerikanern besetzt sei. Auch wurde der Geschütz- donner immer heftiger und man hörte das fortgesetzte Heulen der Granaten über unseren Köpfen vereint mit dem Knattern der Ma- schinengewehre. Da wurde es doch auch mir oben in der Mansarden- wohnung etwas unangenehm, und ich mußte mich in den Keller be- geben, wohin ich auch allmählich die wichtigsten Gebrauchsgegen- stände mit Frau Glaser schaffte. Für die Nacht machten wir uns in der leeren Deppe’schen Wohnung auf den dortigen Ballen ein Nacht- lager zurecht, da wir von hochparterre leichter in den Keller bei Ge- fahr zu kommen wähnten. In der Nacht war es aber auffallend ruhig, abgesehen von einem kürzeren Feuerschlag der schweren Artillerie.
3. 4. 1945:(Osterdienstag)
Die Ereignisse überstürzen sich! Draußen herrscht regnerisches windiges Wetter und das Barometer schwankt um Veränderlich! Schon früh werden die Leute auf der Straße unruhig. Gegen 7 Uhr begab ich mich oben ans Küchenfenster, da ein ganz schweres dumpfes Rollen an meine Ohren drang. Und siehe da! Im Regenwetter rollten die Panzer vom Coestelder(?) kreuz über den Westring heran, an beiden Seiten weithin von Fußtruppen flankiert. Nun wurde es auch in der Hüfferstraße rege, d. h. bei den wenigen Leuten, die nicht im Klinikenkeller oder im Bunker verblieben waren. Man hing— es ist kaum zu glauben— Bettücher oder weiße Vorhänge als weiße Fah- nen heraus oder begnügte sich wenigstens mit weißen Tüchern, die man auf die Fensterbrüstung ausbreitete(Gerdemann, Kirchen|[....], die Leute über[.......] usw. usw.). Es dauerte auch gar nicht lange, da tauchten die ersten Amerikaner mit ihrem schußbereiten Gewehr und ihren erdfarbigen Uniformen[.....] auf und suchten die Häuser nach unseren versprengten Soldaten ab, die von ihren Offizieren im Stiche gelassen worden waren. Von meinem Fenster aus konnte ich be- obachten, wie Hittorfstr. 13 bei Loos etwa 30 Mann aus dem Keller ge- holt wurden. Die armen Jungens mußten die Hände hochnehmen, sich anschnautzen lassen und sich möglichst schnell in Doppelreihe wegbe- geben. Einige Zeit später lernte ich bereits den ersten Amerikaner persönlich kennen, der sich mit Frl. Fröhling und Frau Glaser draußen vor der Haustür unterhielt. Er machte einen ruhigen, beson- nenen Eindruck und verteilte an die Damen und an mich sogar einen Teil seiner Cigaretten. Übrigens brachte Frau Glaser von ihrem Milcheinholen bei Konerdings bereits ein ganzes Militärfrühstücks- packet mit Keks, Dörrobst, Kaugummi, Zigaretten, Zucker und Milch-
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