aber nicht von dem integrierenden Bestandteil der Histolyse, schreibt Bücher über Menschliche Entwicklungslehre und vergißt dabei den 2. ebenso wichtigen Teil, die Menschliche Rückbildungslehre, von der ja schon die Altersinvolution einen wesentlichen Bestandteil darstellt. Ebenso gibt es meiner Ansicht nach nicht nur eine Eintwicklungsge- schichte, sondern ebensogut auch eine Rückbildungsgeschichte. Es ist ja nicht zu sagen, wie sich diese Büchergelehrten durch die Aufstel- lung der Begriffe Leukocyten und Phagocyten in eine Sackgasse ver- rannt haben, aus der sie ohne einen radikalen Eingriff eines Außen- stehenden ja niemals mehr herauskommen. Ich werde diese Histologie der Rückbildungen schreiben und hoffe, daß sie an meinem 65. Lebens- jahre fertig ist. Das wesentliche ist, daß ich in diesem Buche ja den Nachweis führe, daß diejenigen Zellen, welche offiziell als Leukocyten oder Phagocyten angesprochen werden, ja in Wirklichkeit abgelöste, mehr oder minder zerfallene oder noch mit den Trümmern der zer- fallenden Gewebe beladene echte Gewebezellen sind, welche sich, wie ich das so schön bei den pigmentführenden Leberzellen habe nachwei- sen können, in die Blutbahn abgelöst haben, teils dadurch noch in andere Organe verschleppt werden und schließlich ihrer völligen Auf- lösung entgegengehen.— Heute gabs als Festessen: 1/a Pfund Kalbs- braten mit Steinpilzgemüse.
Wurde Kremer durch die Erinnerung an die Opfer und an die Umstände, unter welchen er seinerzeit in Auschwitz die Präparate entnommen hatte, überhaupt nicht mehr belastet?
Weiterhin beherrscht der Alltag das Tagebuch. Der Speisezettel, Luftangriffe, häusliche Probleme— das sind die Themen. Dann nähern sich die amerikani- schen Truppen Münster; der Krieg geht zu Ende. Der Mann, der in der Uniform eines SS-Offiziers im Kon- zentrationslager Auschwitz gehorsam über Leben und Tod von mehr als 10.000 Menschen entschieden hatte, schildert seine Eindrücke und Gedanken in diesen Tagen mit folgenden Worten:
2. 4. 1945:(Ostermontag)
Ein herrlicher Vorfrühlingstag, teils sonnig, teils regnerisch. Drau- ßen ist durch den Regen mit einem Male alles grün geworden. Kurz nach dem Frühstück fuhr ich, da noch immer Leute mit Waren ange- zogen kamen, noch einmal zum Sportplatz, fand aber alles entleert und verschlossen vor. Es gelang mir aber, von den zusammengefegten Erbsenhaufen noch zwei große Luftschutztüten„für die Hühner“ voll zu füllen und nach Hause in Sicherheit zu bringen. Es war auch höchste Zeit; denn die Einschläge der feindlichen Artillerie lagen schon auf dem Platz. Auch hatten unsere Soldaten, ein bunter in Münster zusammengeraffter Haufen aller möglichen Waffengattungen, die
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