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Enttäuschung Raum, weil er sich in seinen wissen- schaftlichen Arbeiten so sehr behindert fühlt:
26. Dezember 1943(Sonntag)
Heute lese ich in der Weihnachtsnummer der Münsterschen Zeitung folgende Notiz:
„Prof. Dr. Johann Kremer 60 Jahre alt. Am 26. Dezember vollendet
der außerplanmäßige Professor für menschliche Vererbungslehre an der Universität Münster, Dr. med. Dr. phil. Johann Kremer, sein 60. Lebensjahr. In Stelberg bei Köln geboren, studierte er in Heidelberg, Straßburg und Berlin zunächst Philosophie, Mathematik und Natur- wissenschaften und später Medizin. Nachdem er 1914 in Berlin den philosophischen und 1919 den medizinischen Doktorgrad erworben hatte und längere Zeit als Assistenzarzt an der Chirurgischen Univer- sitätsklinik der Charite, an der Inneren Abteilung des Städtischen Krankenhauses Berlin-Neukölln, an der Chirurgischen Universitäts- klinik Köln und als Prosektor an den Anatomischen Instituten in Bonn und Münster tätig gewesen war, habilitierte er sich 1929 in Mün- ster für Anatomie und wurde dort 1936 zum u. b. a. o. Professor er- nannt. Seine Ernennung zum außerplanmäßigen Professor erfolgte 1939. Gleichzeitig erhielt er den Lehrauftrag für menschliche Verer- bungslehre.“
Kein Wort, geschweige denn eine Stellungnahme zu meinen wissen- schaftlichen Arbeiten! Die Vertreter der orthodoxen Wissenschaft, die Büchergelehrten wagen es nicht[...], trauen sich überhaupt nicht die Fähigkeit zu, über meine Arbeiten eine Kritik abzugeben. Wer eigene Gedanken hat, ist eben aus ihren Reihen ausgeschlossen; nur geistlose Fabrikware am laufenden Band wissen sie zu schätzen. Daraus erklärt sich immer wieder, warum man mir auch bei meinen wissenschaft- lichen Arbeiten fortgesetzt Hindernisse in den Weg legt; denn sie wol- len und würdigen nur ihre Wissenschaft und behaupten, daß sie die alleinrichtige ist. Dieser Dogmatismus unterdrückt dann jede eigene Geisteshaltung und boykottiert jede Leistung, die mit ihren herkömm- lichen Ansichten nicht übereinstimmt. So erhalte ich trotz mancher diesbezüglicher Vorstellungen beim Dekan der med. Fakultät, bei Becher doch keinen Arbeitsplatz im Anatomischen Institut, so daß ich in meinen wissenschaftlichen Arbeiten völlig kaltgestellt bin. Ich trage mich deshalb mit dem Gedanken, mir nach dem Kriege selbst mit eigenen Mitteln ein kleines Laboratorium einzurichten. Im Grunde ge- nommen, ist es ja nur ein Mikrotom, das ich so dringend benötige; denn ich habe aus Auschwitz Material mitgebracht, das unbedingt ver- arbeitet werden muß. Dazu ist mir heute früh ein Gedanke gekom- men. Ich werde meine Gedanken in Buchform herausgeben, etwa unter dem Titel:„Gewebliche Rückbildung“ oder„Gewebsrückbil- dung“ oder„Histolyse“, damit meine Anschauungen wenigstens nicht verloren gehen; denn sie sind und bleiben richtig, auch wenn sich die ganze orthodoxe Wissenschaft dagegen wehrt. Diese hat ja erst nur die Hälfte des Lebens bisher berücksichtigt, spricht von Histogenese,
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