chreibt 41 morgen 3. 9. 1941, München Im Hotel Schottenhammel traf ich Dr. Wischer schon an, ebenso die Tochter von Prof. Nitsche, Frau Wilhelm. Es hieß gleich, daß Stein- meyer und ich im„Bayrischen Hof“ wohnen würden. Wir gingen um 19h zum Bahnhof, um Prof. Nitsche(und Prof. Heyde), sowie Frau Nitsche abzuholen, sie kamen nicht, aber wir waren kaum wieder im Schottenhammel, da erschien Prof. Nitsche und Frau mit Bauer und dem„fleißigen Lieschen“ direkt aus Berlin. Dr. Lonauer war schon am Montag gekommen... Wir Männer einschl. des Herrn Direktor Dr. Ratka von der Anstalt Gnesen(Warthegau), der als Dritter mitarbeitet, saßen noch bis 23!/2 h plaudernd beisammen.... — Heute früh um 3/48 h holte uns Dr. Lonauer in seinem Olympia ab;in den zwei Autos fuhren wir gleich nach Dachau hinaus. Wir fin- gen heute aber noch nicht an zu arbeiten, da uns die SS-Männer erst die Köpfe der Meldebögen ausfüllen sollten. Dies ist heute begonnen, so daß wir morgen mit Untersuchungen anfangen können... Es sind nur 2.000 Mann, die sehr bald fertig sein werden, da sie am laufenden Band nur angesehen werden... Um 10h fuhren wir wieder nach München hinein und um 11h fuh- ren wir nach Starnberg weiter... Postkarte aus München, 4. 9. 1941 ... Ich fahre Sonntag früh 7,45 h hier ab... Heute wurde noch feste gearbeitet, ich habe 81 gemacht... Die Dachauer Opfer dieser Ärztekommission wur- den in Hartheim bei Linz vergast. Der Leiter der dor- tigen Anstalt war Dr. Lonauer. Dr. Mennecke reist weiter. Zwei Monate später meldet er sich aus Fürsten- berg. In der Nähe dieser Stadt befindet sich das Kon- zentrationslager Ravensbrück, in dem vorwiegend Frauen festgehalten werden. 19. 11. 1941, 19.15 h Fürstenberg: ... Die vorige Nacht in Berlin war ja auch friedlich... Ich bin vor- läufig noch allein... Von morgen ab ist es wohl schon anders... Nun höre weiter, wie der heutige Tag war:... Um 7,45 h saß ich beim Früh- stück und um 8,45 h rief ich die Tiergartenstraße an. Prof. Heyde war schon da u. sagte mir, ich brauchte nicht so früh zu kommen, denn ich wäre doch erst allein als„Kommission“. So machte ich mich um 8,30 h zu einem Herbst-Nebel-Spaziergang auf: Wilhelmstraße-Linden-Lust- garten, Schloß, Dom(das Theater ist noch arg im Renovierungsbau)— wieder zurück— Brunnentor-Ost/West/Achse mit einem Tarndach darüber— Skagerak-Platz-Tiergartenstraße. Ich hatte Besprechungen mit Prof. Heyde, Herrn Allers und Prof. Nitsche. Die beiden Professo- ren sowie Frl. Haus und Frl. Schwab lassen Dich grüßen... 23


