vollbrachten Taten, die den Leser erschauern lassen werden, ohne sich als Mörder oder Mordgehilfen zu fühlen. Alle Tagebücher und Briefe, deren Originale eingesehen wur- den, sind völlig unverändert wiedergegeben. Den Leser soll es nicht stören, wenn Jacob in seinem Brief einmal ‚„Wate‘“ schreibt, aber offensichtlich Wade meint; oder wenn Kremer manchmal ein Wort ausläßt, das der Leser unschwer aus dem Zusammen- hang ergänzen kann. Hätte man in solchen Fällen korrigierend eingegriffen, dann wäre es schwergefallen, eine Grenze zu zie- hen: Welche Fehler sollen richtiggestellt werden, welche sollen stehenbleiben? Je mehr man aber Rechtschreibung, Grammatik und Interpunktion verändert hätte, desto mehr wäre am per- sönlichen Bild, das sich in den Aufzeichnungen widerspiegelt und das der Leser erhalten soll, retuschiert worden. Man soll jedoch die Schreibenden, die von ihren Taten erzählen, möglichst unmittelbar kennenlernen. So blieb alles genau so stehen, wie es im Original zu lesen ist. Wo einzelne Worte— vor allem in der krausen Schrift Kremers— unleserlich sind, wird das durch [:-.] bezeichnet. Die diktierten Tagebücher von Goebbels und Frank liegen in Maschinschrift vor. Text und Interpunktion wurden unverändert beibehalten. Eine gewisse Ausnahme macht nur das Tagebuch von Landau. Zwei beglaubigte Abschriften konnten eingesehen werden, während das handschriftliche Origi- nal bei den Gerichtsakten in Deutschland liegt und zur Zeit nicht erreichbar ist. In der Rechtschreibung und hinsichtlich eini- ger grammatikalischer Unebenheiten weisen die beiden Abschrif- ten kleine Abweichungen voneinander auf. Alle Fehler, die in beiden Abschriften gleich lauten, wurden beibehalten. Wo Dif- ferenzen bestanden, wurde die Version aufgenommen, die den Rechtschreibregeln und der Grammatik eher entspricht. Auch die im Zwischentext verwendeten Zitate wurden nach dem gleichen Grundsatz behandelt. Der Kommentar wurde be- wußt so knapp wie nur möglich abgefaßt. Im Anhang sind Angaben und Bemerkungen über Tagebücher, Briefe und Zitate, die im Buch verwendet wurden, nachzulesen. Nun soll die Zeit wieder gegenwärtig werden, welche die Älte- ren von uns miterlebt haben und die doch schon so fern und fremd scheint, daß man sie sich nur schwer vorstellen kann. Die Menschen, die von dieser Zeit geformt wurden, sollen vor unserem Auge erstehen, und auch diejenigen, die damals eben jene Atmo- sphäre geschaffen haben, in der Massenmord mit Auszeichnungen belohnt und Menschlichkeit als Feigheit verfemt wurde. Man lese nach, was möglich war und wie es möglich wurde. 16


