sprechungen von Stenografen aufgenommen werden. Diese Stenogramme können ebensowenig wie die diktierten Tagebücher Goebbels oder Franks mit den privaten Aufzeichnungen des Pro- fessors Kremer oder mit denen von Landau verglichen werden. Hitler sprach immer in der Vorstellung, daß ihm kommende Generationen zuhörten. Darum wurde manches umschrieben, vor allem dann, wenn er sich über alle Gesetze hinwegsetzte. Durch Benützung der Tarnsprache, die der Nationalsozialismus einge- führt hat, wird oft ein direktes Eingeständnis dessen, was Hitler seinen Vertrauten befohlen hat, vermieden. Trotzdem sind manche seiner auf seinen Befehl festgehaltenen Ausfüh- rungen noch so deutlich, daß sie die Legende,der Führer hat von all dem Schrecklichen nichts gewußt, gründlich zerstören. Seine Paladine Goebbels und Frank sind in ihren Aufzeich- nungen undiplomatischer. Immer wieder, wenn sie auf Massen- tötungsaktionen zu sprechen kommen, berufen sie sich auf An- ordnungen ihres Führers. Und man darf ihnen Glauben schen- ken. Denn sie haben ja ihre Tagebücher in der Absicht diktiert, sie später zu veröffentlichen. Sie dachten an eine Zukunft, die Hitler als Sieger gesehen hätte. Keinesfalls hätten sie gewagt, ihm Äußerungen zuzuschreiben, die er nicht gemacht hatte. Das sogenannte Tagebuch des Ministers Dr. Hans Frank Hitlers Stellvertreter in Polen ist nahezu vollständig er- halten geblieben. Mehr als 11.000 Maschinschreibseiten sind in 38 Bänden vereinigt. Reden, Sitzungsprotokolle, Verordnungen und persönliche Äußerungen stehen nebeneinander. Die Auf- zeichnungen reichen vom 25. Oktober 1939 dem Beginn der Amtsführung Franks alsGeneralgouverneur im besetzten Polen bis zum 3. April 1945. Als dieses Tagebuch nach Kriegs- ende in die Hände der Alliierten fiel, erklärte Frank ausdrück- lich, daß es sich um ein historisches Dokument handle und daß er alle darin aufgezeichneten Angaben nach seinem besten Wissen gemacht habe. Der Adjutant Hitlers, SS-Obergruppenführer Julius Schaub, hat später geschildert, was seiner Meinung nach Frank ver- anlaßt hat, dieses umfangreiche Tagebuch anlegen zu lassen: Als Frank erfahren hatte, daß die Gespräche des Führers mit seiner ständigen nächtlichen Tafelrunde auf Anordnung Bor- manns stenografisch festgehalten wurden, kitzelte Frank der Ehrgeiz, dasselbe zu tun. Er richtete auch seinen Kreis genau so ein, wie im Führerhauptquartier in Hufeisenform wurden die Tische zusammengestellt, an denen Frank präsidierte!. Und die Stenografen mußten protokollieren. Das Tagebuch Goebbels ist nur bruchstückweise erhalten ge- 12