9. 29. Dezember 1939, Krakau(Kraköw).— Aus einem Schreiben des höheren Beamten der Abteilung Arbeit im Amt des Generalgouverneurs Ernst Gschliesser! an den Gouverneur des Distrikts Krakau über die unmenschlichen Bedingungen, unter denen die Deportation der jüdischen und der polnischen Bevölkerung aus dem
Warthegau in den Distrikt Krakau vor sich ging.
... Ich möchte bereits heute hervorheben, daß die meisten Umsiedler 2 bis 3 Tage hindurch in ungeheizten Viehwagen transportiert wurden, die zumeist während der Fahrt überhaupt nicht geöffnet wurden. Aus dem letzten Trans- port nach Krakau allein, der noch vor Einbruch der strengen Kälte stattfand, mußten über 100 Personen wegen Erfrierungen verschiedenen Grades in ärztliche Behandlung gezogen werden. Die Transporte waren mit wenigen Ausnahmen ohne jede Verpflegung, ja häufig auch ohne Möglichkeit, Trink- wasser zu sich zu nehmen, gelassen worden... Als allgemein wahrgenommene besondere Härte und Erschwerung erwies sich die mangelhafte Ausstattung der Umsiedler mit Decken und Eßgeschirr, da ihnen teilweise keine Möglich- keit gegeben war, diese von zuhause mitzunehmen, teilweise ihnen sogar mit- senommenes Eßgeschirr vor dem Abtransport weggenommen wurde. Die Wegnahme jedes größeren Geldbetrages vor dem Abtransport macht die Um- siedler vom ersten Tage in den neuen Aufenthaltsgemeinden hilfsbedürftig....”
BP, Bd VIII, S. 82.
1 E. Gschliesser war bis zum 26. 10. 1939 Oberregierungsrat in der Abteilung Arbeit der Zivilverwaltung beim Oberbefehlshaber in Krakau. Im Januar 1940 arbeitete er im Amt beim Chef des Distrikts Krakau. Seit 15. Juli 1940 war er Leiter der Abteilung Arbeits- einsatz in der Hauptabteilung Arbeit bei der Regierung des Generalgouvernements.
? In den ausgelassenen Teilen wird die Zahl der Deportierten genannt. Danach sind in der Zeit vom 14. bis 20. 12. 1939 20 Transporte mit einer Gesamtzahl von über 25000 Polen und Juden in dem Distrikt Krakau eingetroffen.(BP, Bd IX, S. 8.)
10. 26. Fanuar 1940, Posen(Poznan).— Auszüge aus einem Bericht des Höheren SS- und Polizeiführers Koppe im Warthegau über die Deportation von Polen und Juden aus dem Warthegau in das Generalgouvernement.
I. Die Vorbereitungen
l. Die Planungsarbeit für die Umsiedlung der Polen und Juden aus dem Warthegau in das Generalgouvernement setzte ein am 10. 11. 39, nachdem am 7.auf8. 11. 39 die entsprechende grundsätzliche Vereinbarung zwischen SS-Obergruppenführer Krüger und SS-Gruppenführer Koppe getroffen worden war. Zugrunde gelegt war eine Zahl von zunächst 300000 Ab- zuschiebenden, die unter Mitwirkung der Oberbürgermeister und Landräte auf die einzelnen Städte und Landkreise strukturgemäß verteilt wurde...
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