Arbeitskraft zahlte der deutsche Betriebsleiter den SS-Behörden einen fest- gesetzten Tarif. Diese Häftlinge waren natürlich von vornherein der Ver- nichtung preisgegeben, denn die Nazibehörden beabsichtigten, nur so lange die Arbeitskraft zu gebrauchen, als dies in Anbetracht des Mangels an ‚‚ari- scher‘‘ Arbeitskraft für die deutsche Kriegswirtschaft dringend nötige schien. Im Generalgouvernement verfügte ab Mitte 1942 ein SS-Stab in Lublin über die jüdische Arbeitskraft, der sogenannte„Einsatz Reinhard‘. An dessen Spitze stand Odilo Globocnik. Die Hauptaufgabe dieses Stabs war es, die jüdische Bevölkerung in die Vernichtungslager zu deportieren. Gleichzeitig wurde von ihm das ganze Vermögen beschlagnahmt, das von den ermordeten bzw. in die Arbeitslager deportierten Juden zurückgelassen werden mußte. Der Stab..Einsatz Reinhard‘ beschlagnahmte jüdisches Vermögen schon ab April 1942 und verfügte deshalb über Unmengen an Kleidung, Möbeln, Geld, Fabrikeinrichtungen und Maschinen. Die Nazibehörden zwangen spezielle Gruppen von Juden zum Sammeln und Sortieren der Werte, die in den von den Einwohnern geleerten Gettos zurückgelassen worden waren. Die jüdischen Betriebseinrichtungen und Maschinen überführte der Okkupant teilweise ın die SS-Arbeitslager. Auf der Basis dieser Produktionsmittel und der ver- sklavten jüdischen Arbeitskraft wurden weitere besondere SS-Betriebe ge- gründet, z. B. die ‚„‚Östindustrie‘“.
Etwas anders sahen die Dinge in den übrigen Teilen des besetzten Polens aus. Zum Beispiel befaßte sich die deuts« he Verwaltung des Lodscher Gettos mıt dem Raub des Besitztums und mit der Ausbeutung der noch am Leben ge- bliebenen Juden aus Lodsch und anderen Gettos des sogenannten Warthe- gaus.
All dies mündete in die physische Vernichtung des größten Teils der jüdischen Bevölkerung in den besetzten polnischen Gebieten. Alle obenerwähnten Rechts- und Wirtschaftsbeschränkungen, d.h. Konzentrierung und Iso- lierung der Juden, Ausschaltung aus dem Wirtschaftsleben und Beraubung jeglicher Erwerbsmöglichkeiten, Raub ihres Vermögens und Zwang zu Sklavenarbeit, verursachten allein schon eine bedeutende Verringerung deı Zahl der jüdischen Bevölkerung. Der Okkupant strebte jedoch nach eıineı vollständigen Vernichtung. Den Entschluß zum Beginn der physischen Massen- vernichtung der Juden faßten die zentralen Nazibehörden, als sie sich zum Angriff auf die Sowjetunion vorbereiteten. In den Plan zum Völkermord waren nicht nur die Juden des polnischen Gebietes, sondern auch diejenigen aller anderen Länder des besetzten Europas einbezogen. Schon vom Frühjahr 1941 an suchte man nach möglichst wirksamen Methoden der Massenver- nichtung. Diese Pläne wurden im Reichssicherheitshauptamt bearbeitet. Im Sommer 1941 wurde der Bau eines KZ-Lagers in Majdanek und der Ausbau des Lagers in Auschwitz begonnen. Diese beiden Zentrallager wurden mit- samt anderen, später errichteten besonderen Vernichtungsstätten zu Todes- lagern für die jüdische Bevölkerung. Gleichzeitig wurden Experimente zur
Massenkastration von Männern und Frauen durchgeführt. Den organi-
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