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Faschismus - Getto - Massenmord : Dokumentation über Ausrottung und Widerstand der Juden in Polen während des Zweiten Weltkrieges / herausgegeben vom Jüdischen Historischen Institut Warschau. Ausgewählt, bearbeitet und eingeleitet von Tatiana Berenstein, Artur Eisenbach, Bernard Mark und Adam Rutkowski
Entstehung
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Tschechoslowakei. In den Kriegsjahren raubten die Hitlerbehörden den

Juden in den besetzten Ländern nach und nach das gesamte unbewegliche und

bewegliche Eigentum und sogar die persönliche Habe.

Die Isolierung der Juden ging Hand in Hand mit dem massenweisen Raub ihres Besitztums. Der Anteil der Juden am wirtschaftlichen Leben wurde bis auf ein Minimum zurückgedrängt und später eänzlich eliminiert. Das be- wirkte eine Deklassierung und Verarmung der ganzen jüdischen Bevölkerung, denn die antijüdischen wirtschaftlichen Maßnahmen waren gegen alle Juden ohne jeglichen Unterschied gerichtet; sie betrafen alle beruflichen und gesell- schaftlichen Schichten.

Die Ausschaltung der Juden aus dem Wirtschaftsleben und ihre Verarmung wurden noch durch die obenerwähnten rechtlichen Beschränkungen für Juden verschärft. besonders durch den Entzug der Freizügigkeit und das Verbot, Verkehrsmittel zu benutzen. Bereits zu Beginn der Okkupation beschlag- nahmten die deutschen Behörden alle Guthaben, alle Obligationen und Wertpapiere, die Juden gehörten. Außerdem übernahmen die Deutschen alle jüdischen Forderungen und trieben rücksichtslos die Schulden(Steuern der jüdischen Bevölkerung ein.

Für die Mehrheit der jüdischen Unternehmen wurden zwangsweise Treu- händer bestimmt, was de facto eine Beschlagnahmung des Besitztums bedeutete. Außerdem wurde das ganze jüdische immobile Vermögen bes« hlagnahmt. Eine der Raubmethoden, deren sich die Okkupationsbehörden allgemein bedienten, war die Belastung der jüdischen Gemeinden mit hohen, oftmals wiederholten Geldkontributionen. Diese Kontributionen w urden unter Androhung von kollektiver Haftung auferlegt. Sie beliefen sich auf Zehn- tausende, oftmals sogar Hunderttausende von Zlotys. Dessenungeac htet forderten die deutschen Behörden von den Juden häufig auch sogenannte Naturalkontributionen. Alle möglichen Einrichtungen- für Kasernen, Büros, Kriegslazarette, Privatwohnungen von höheren Beamten usw. ließ sich deı Okkupant unter Androhung von strengen kollektiven Strafmaßnahmen, von den Juden beschaffen. Dabei bedienten sich die Deutschen der Judenräte, denen diesbezügliche Terminanweisungen erteilt wurden. Zum Beispiel wurden Ende Dezember 1941 alle Pelze und Pelzwaren, Skier und Skistiefel, die in jüdischem Besitz waren, beschlagnahmt.

Um eine genaue Kontrolle über das jüdische Eigentum zu haben, führte der Okkupant für die Juden des Generaleouvernements die Anmeldepflicht ihres ganzen Vermögens ein(24. Januar 1940).

Eine besondere Form nahm der Raub des jüdischen Besitztums im Getto von Lodsch an. Als Geld wurden hier von den Deutschen hergestellte einfache Zahlungsquittungen eingeführt, das sogenannte Gettogeld, gegen das die Juden all ihre Devisen. ihr Geld und ihre Wertsachen umtauschen mußten. Durch die Beschlagnahme fielen den Faschisten nicht nur Geld, Waren und Einrichtungen, sondern auch unschätzbares Kulturgut(Kunstgegenstände,

Archivmaterial, Bichersammlungen usw.) in die Hände.

> Getto 17

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