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Eine Frau erzählt / Grete Salus
Entstehung
Seite
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Die Frauen und die ganz jungen Menschen fanden sich eher zurecht. Sie schufen sich auch hier einen Wirkungskreis, der ihnen über vieles

hinweghalf.

Die Alten fraß das Ghetto mit atemberaubender Schnelligkeit, spe- ziell diejenigen, die keine Kinder hatten, die sich ihrer annahmen, sie stützten. Viele, die nicht durch das alles gegangen sind, werden nicht verstehen können, wie es dazu kommen konnte.

Auch in Theresienstadt herrschte bereits ein erbitterter Kampf in einer erstickenden Enge gegen die Gefahren von Krankheit, Hunger,

Ungeziefer und Transport. Jeder kämpfte für sich, seine Familie und.

seine engeren Freunde, weiter reichten die Kräfte nicht. Die alten Leute hätten ganz anders ernährt werden müssen, aber da waren tausende Kinder, die gerettet werden mußten, um jeden Preis, und dies war nur möglich durch bessere Ernährung als die der Erwachsenen. Das Tisch- tuch aber langte nicht überall hin, immer blieben irgendwelche Stellen unbedeckt. Man zog es hin und her, man kalkulierte, experimentierte, es langte eben nicht. Das Ghetto mußte aus eigener Kraft erhalten wer- den. Es gab schwere und unangenehme Arbeit, die getan werden mußte, wie: Kanalräumen, die verschiedenen Lebensmittel verladen, Leichen und Kranke tragen und überhaupt alles, was zur Aufrechterhaltung des Lebens einer so großen Einwohnerschaft gehörte. Diese Leute erhielten bessere Ernährung, sie mußten zusätzlich honoriert werden.

Mit der Zeit entstand ein Prämiensystem für die verschiedenen Arbei- ten, damit sie gut und richtig getan wurden. Da war die Masse der Lungenkranken, um sie am Leben zu erhalten meist handelte es sich um Kinder und junge Menschen mußte zunächst für bessere Ernährung gesorgt werden. Woher nehmen bei diesen knappen Zuteilungen? Irgend- eine Gruppe mußte benachteiligt werden, und da am Anfang die Zahl der alten Leute die der Jungen fast übertraf, waren es diese, die es treffen mußte. Die Ärzte hatten anfänglich wahre Pionierarbeit zu leisten, ohne irgendwelche Erleichterungen, ohne Medikamente. So ein Arzt mußte sich auf die Erde zu den verlausten Patienten setzen, ohne die Möglichkeit zu haben, sich nachher umkleiden oder baden zu können.

Mein Mann hatte, als wir noch in Theresienstadt weilten, vor dem Abtransport, die Leitung eines Spitals übernommen gehabt, als die ver-

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