der Alliierten, deren Stimmen wir vernahmen und die unser heißes Flehen nicht erhören konnten.
Unter Eskortierung von bewaffnetem Landsturm und Hitlerjugend gingen wir, in unsere grauen Decken gehüllt, dahin. Wir gingen zum Bahnhof und wurden in offene Kohlenwagen verladen. Dies schien uns immerhin besser, als marschieren zu müssen, andererseits aber hatten wir die berechtigte Angst, daß uns so die Amerikaner nicht einholen würden.
So fuhren wir in den herrlichen Frühling hinein, noch immer Gefan- gene und es schien uns, daß wir uns immer weiter von der Freiheit ent- fernten.
Wir konnten diesen Wust von Empfindungen, der in uns tobte, nicht mehr bewältigen. Wir wurden hin und heı gerissen zwischen Hoffnung und Verzweiflung und wieder Hoffnung. Für mich hatte das Ganze etwas unwirkliches, traumhaftes So erlebte ich auch diese ganze dramatısche Endphase und ıch kann eigentlich nicht sagen, wann ich zum Erwachen kam Ni.hts konnte mich mehr erstaunen, nichts überraschen Ich stand gleichsam neben mir und schaute mir zu. Manchmal meldete sich mah- nend die Forderung, diese eigentümliche Passivität abzuschütteln, etwas zu tun, auszureißen. Da meine Freundin aber nicht mit wollte, blieb ich und ließ alles geschehen.
Wir waren noch während der Fahrt ohne Nahrung. Das trug noch dazu beı, da unsere Körper bereits sehr geschwächt waren, keinen Entschluß fassen zu können und in diesen traumhaften Zustand zu sinken. Manchmal meldete sich freilich der quälende Hunger, aber eben nur zeitweise, meist dösten wir nur so dahin.
Zu Beginn der Fahrt zeigten wir uns noch aufnahmefähig, denn wir fuhren durch die herrlichen Wälder des Erzgebirges und spielten oft mıt dem Gedanken, einfach abzuspringen und hineinzulaufen in das schüt- zende Dickicht. In jedem der Wagen waren Aufseherinnen verteilt, aber sie waren so mit sich selbst beschäftigt, daß es sicher geglückt wäre. Die meisten von ihnen weinten bitterlich vor Abschiedsweh von der Heimat. Sie schimpften auf die Alte, die ihnen das eingebrockt hatte.
Wir waren nur erstaunt über die Gefühlsausbrüche. Einige unter uns sahen es mit aufleuchtenden Augen, sahen es befriedigt, dies beginnende
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