Zählappell, auch wir bekamen nun Brot und Margarine.
Unser Transport von ungefähr 214 Frauen mußte zurückbleiben, die anderen abtreten.
Die Blockälteste, nachdem sie uns gezählt hatte, sagte:„Ihr geht heute in den Transport“.
Wir waren so froh, nicht mehr zurück in den Block zu müssen, weg, weg, nur weg!
Wir marschierten nun los, trotz Holzpantinen und Dreck ging es ganz gut, da wir leichteren Herzens waren.
Hübsch sahen wir aus, die Strümpfe waren irgendwie zusammenge- bunden. Manche hatten herrliche Unterhosen, die bis zu den halben Beinen herunterreichten. Eine vor mir schleifte unter dem Kleide ein langes, blauseidenes Nachthemd nach, über das sie ständig stolperte.
Wir hatten schon eine gewisse Technik im Holzpantinengehen erlangt. Man durfte den Fuß nicht heben, nur so durch den weichen Schlamm
rutschen.
Da war sie wieder, diese unglaubliche menschliche Elastizität. Gas, Schrecken, Grauen wurden zurückgedrängt vom wieder hoffenden Ich.
Wir gingen ziemlich lange, begleitet von einer Schreiberin und einer deutschen Aufseherin.
Wir gingen an Baracken vorüber, hinter dem elektrischen Draht sahen wir Männer, manche riefen uns zu„Hals und Beinbruch!“ „Wohin?“ und wir gaben fast fröhliche Antwort. Später erfuhren wir, daß dieser Weg auch zu den Gaskammern führt.
Wir kamen an ein Tor, vor demselben eine Art Wächterhäuschen mit Turm und Maschinengewehr.
Die Aufseherin pfiff, ein deutscher weiblicher Wachtposten kam, sprach mit unserer Begleitung und rief:„Kann die Häftlinge nicht mehr abfertigen“.
Häftlinge waren wir, wir hörten diese Bezeichnung zum ersten Mal. Wir sanken zusammen, alles in uns sank zusammen. Ich sah in graue, erstorbene Gesichter. Als wir hierher kamen, waren wir noch junge Menschen, jetzt waren wir alte Frauen, die sich kaum weiterschleppten.
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