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Eine Frau erzählt / Grete Salus
Entstehung
Seite
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seele weit und breit, bedrückte uns sehr. So stolperten wir schweigsam weiter, bis es plötzlich hießHalt. Wir hatten gar nicht bemerkt, daß wir vor einem größeren Gebäude angelangt waren.

Schon wurden die Türen geöffnet, und wir befanden uns in einem großen Vorraum. Wir erschraken, denn da waren eine Menge SS-Leute und andere Frauen und Männer in gestreiften Kleidern. Bevor wir uns

auch nur umsehen konnten, hieß es, schnell die Kleider herunter, nichts anbehalten, die Schuhe in die Hand.

Vor den Männern uns ausziehen, zögernd sahen wir uns an, aber schon sprangen die Gestreiften auf uns zu und rissen uns die Kleider vom Leib.Schnell, schnell, hetzten sie uns, so daß wir mit fliegenden Händen alles von uns warfen. Ich hatte eine kleine silberne Theresien- städter Münze um den Hals, ich gab sie einer der Gehilfinnen mit der

Bitte, sie mir aufzuheben, da es ein teures Andenken sei. Sie lachte: | höhnisch und geiferte:Jetzt brauchst Du keine Andenken mehr. Und

\ich erlebte zum erstenmal diesen bitteren Haßton, der mich ansprang wie ein wildes Tier.

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Ich konnte unterdessen meine Schuhe nicht mehr finden, schöne rot- braune Sportschuhe, vielleicht das einzige, was wir behalten durften.

Nun mußten wir geradestehen, eine ganze Front nackter Frauen- leiber, eine drängte. sich an die andere, zitternd und noch voll tiefer ‚Scham. Die SS-Männer musterten uns von oben bis unten, wie man eine

|Ware abschätzt. Dann mußten wir langsam an ihnen vorüberziehen,

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manche, die mager waren, Ekzeme hatten oder überhaupt nicht intakt

| schienen, wurden von einem S5-Mann, dem Arzt, herausgeholt und

mußten beiseite treten. In einigen von uns erwachte ein gewisser Trotz: lie mußten nicht sehen, wie gedemütigt wir uns fühlten. Sie strafften

Sich und gingen aufrecht und frei an ihnen vorüber, als wenn es gar

tichts wäre. Man war wieder einmal entschlossen, komme was komme,

zu ertragen.

Wir kamen in einen anderen Raum, da saßen Kameradinnen auf Sesseln, doch welch ein Anblick, eine Kopfhälfte war bereits kahl, und über die andere sauste unbarmherzig die Maschine. Fast eine jede von uns flehte:nicht ganz kahl, bitte nicht ganz kahl. Als wir aber

®hen, daß nichts uns helfen könnte, trösteten wir uns gegenseitig mit den

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