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Mit Besitz ist es ein eigen Ding. Als wir die erste Aussiedlung aus unserer fast normalen Häuslichkeit erlebten, da hatte ich nur einen Kummer, was wird aus meinem kleinen Kätzchen. Daß wir sonst alles zurücklassen mußten, berührte uns kaum. Wenn Menschen zu uns kamen, denen keine Aussıedlung drohte, konnten sie sich nicht genug wundern über unseren Gleichmut. Wir hatten schon so viele derartige Phasen durchlaufen, daß wir eigentlich schon nichts mehr als unseren Besitz betrachteten, ja nicht einmal uns selbst. Man wußte, man war ausgeliefert, zählte nicht mehr, war gleichsam hypnotisiert von der eigenen Hilflosigkeit. Wenn ich mir heute verschiedene Situationen vergegenwärtige, so will es mir schemen, daß es manchmal möglich gewesen wäre, etwas zu tun, um durchzuschlüpfen.
War man einige Monate in Theresienstadt, die ersten Aufregungen vorüber, ging dieser Ausnahmezustand des Menschen, dieses zu allem Bereitsein, langsam über in ein verhängnisvolles Streben nach„sich sein Nest bauen“. Wenn einer in einem Massenquartier nur ein Bett bewohnte, so nahm er es in Besitz, hämmerte herum, da ein Haken, dort ein Brettchen und hatte wieder Grund unter den Füßen. Nach einigen auf dem nackten Fußboden verbrachten Nächten, war er froh und dank- bar ein genau ausgemessenes Brett zu besitzen, auf dem er allein liegen konnte.
Aber nicht lange, denn schon sah er die Möglichkeit einer Verbesse- rung, denn es gab auch kleinere Ubikationen mit mehr Bewegungs- freiheit und Komfort, wie Tisch und Kleiderkasten. Und dann Kumbals und Mansarden und höchster Traum, ein Zimmer für sich allein. Jetzt begann er um diese besseren Lebensbedingungen zu kämpfen, war so beschäftigt mit sich selbst und den Schwierigkeiten des täglichen Lebens, der Routine ihnen zu begegnen, daß er nur zu oft vergaß, wo er sich
eigentlich befand und worum es ging.
Theresienstadt bedeutete schon Gefangenschaft, ausgeliefert sein, denn
‚was waren denn diese Maßlosigkeit, Hemmungslosigkeit anderes, als
die Auswüchse gefangener Menschen. Im Augenblick wirklicher Gefahr
zeigten unsere Leute Haltung, sogar einen gewissen Heroismus, der einen
oft überraschte. Wenn aber die Gefahr nicht mehr eine unmittelbare war, dann sank das alles wieder in sich zusammen und der Mensch


