Druckschrift 
Der Prediger von Buchenwald : das Martyrium Paul Schneiders, geboren am 29. Aug. 1897, gestorben am 18. Juli 1939 / herausgegeben mit einem Geleitwort von Prof. D. Heinrich Vogel
Entstehung
Seite
171
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BK im Rheinland

B., 19. 6. 1938

Durch ein Mißverständnis, das sich aus meiner jetzigen be- sonderen Lage ergibt, komme ich erst heute nach meinem letzten Brief vom 15. Mai wieder zum Schreiben. Entschul- dige, soweit ich daran schuld bin und Dich in Sorge gebracht habe. Ich darf Dir mitteilen, daß ich noch gesund und munter bin. Wir wollen auch für die Zukunft der gnädigen und wun- derbaren Durchbilfe unseres Gottes vertrauen, aber auch allezeit bereit sein, den reichen Ersatz unserer menschlichen Liebe, von dem ich Dir schrieb, in IHM anzunehmen, der doch mehr ist als ein bloßer Ersatz. Verzeihe, wenn ich Dir mit dem Ausdruck wehe getan habe. Ich war mir dabei wirklich meiner armen Liebe bewußt, die Dir und den Kin- dern viel Freundlichkeit, Sonne und Liebe schuldig geblieben ist, die Eichersatzweise freilich, jetzt durch andere so reichlich zufließt. Und nun danke ich Dir für Deinen Brief vom 19. Mai, den ich bekam und auch für den späteren, aus dem ich mich wenigstens über die Kinder und andere per- sönliche Nachrichten freuen durfte. Hoffentlich hast Du Ma- riele bald oder schon jetzt zur Hilfe.... Schicke bitte kein Geld mehr. Ich befehle mich dauernd Eurer Fürbitte, daß

ich meinen Weg recht gehe...

B., 13. Juli 1938

Meinen noch immer unverändertenUmständen ents prechend, beantworte ich Dir heute gleich wieder zwei Briefe, nach- dem ich den vom 7. ds. heute erbielt. Hab herzlich Dank für alle Freude und Stärkung, die Du mir damit gibst. Du mußt nicht denken, daß es mir schlecht gehe. Über mein Aussehen wärest Du gewiß zufrieden, und daß der Mut immer wieder getrost und fröhlich wird, dafür sorgt durch die Hilfe auch Eurer Fürbitte ja ein anderer. Mit Recht erinnerst Du Dich der Zeit vor einem Jahr, wie ich auch besonders gern zurück-

1 Wohl ein Hinweis auf seine Einzelhaft.

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