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Briefe aus der Arrestzelle des KZ Buchenwald
B., 15. Mai 1938
Endlich komme ich zu dem von Dir und mir wohl gleicher- maßen ersehnten Brief, mit dem ich Dir nun Deine beiden vom 13. 4. und vom 4.5. gleich bestätigen darf. Hab Dank für alle die guten Nachrichten..., die mich alle sehr freuten, die mir auch ein Zeichen der uns begleitenden Liebe Gottes sind.-— Die vorübergehende Störung der Wetterlage Ende April Anfang Mai hat sich wohl auch bei Euch betrüblich bemerkbar gemacht. Zuletzt schriebst Du noch so fröhlich vom Keimen und Sprießen in unserm Gärtlein; die Kälte brachte sicher Stillstand und Rückschlag. So geht es halt leicht mit all unsern Erdengärtlein, die wir säen und pflan- zen. Darum ist es gut und klug, wenn wir unser Herz nicht an die Erdengärten hängen und nicht vergessen, den Garten unseres Herzens fürs Himmelreich fleißig zu bestellen mit den Früchten des Geistes, wozu freilich noch mehr Mühe und Geduld gehört als für die Erdengärten. Jetzt scheint die Maiensonne um so wärmer und hat in drei Tagen den Bu- chenwald um uns herum gar herrlich eingekleidet; wie Ihr und unsere Bauern, so darf auch ich mich ihrer freuen. Irm- gards' Treue ist ja wahrhaft rührend; ich bin ihr so herz- lich dankbar für ihren schwesterlichen Beistand und freue mich, daß die Entfernung von Barmen zum Hunsrück so kurz geworden ist. In meiner armen Gatten- und Vaterliebe, die sich oft innig nach Euch sehnt, weiß ich mich so auch durch Menschen reich ersetzt und getröstet.
1 Irmgard Humburg. Paul entnahm daraus, daß der Bruder-Rat der BK im Rheinland
treu zu uns stand.
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