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Koblenz, 18. Oktober 1937(inoffiziell). Nachdem ich gestern
den offiziellen Brief als Sonntagsvergnügen Dir geschrieben, schreibe ich heute an dem inoffiziellen weiter. Gott weiß, ob und wann Du Dich damit freuen wirst.— Ich sitze auf mei- nem lustigen Sitz am Fensterbrett, genieße den Ausblick in die Kastanienbaumkrone, die nun in wenigen Tagen gelb ge- worden ist, die Blätter im Wintersterben mit letzter Kraft noch festhaltend. Immerhin sieht man schon das feingeglie- derte Geäst der Krone, die nun bald nackt und kahl da- stehen wird. So kommt der Herbst- und Wintersturm auch über die Kirche und Christenheit und es wird sich zeigen, was nur Blätter gewesen sind und was kernig und holzig ein Stück des Baumes selber geworden ist, der zwar die Welt erfüllt nach Jesu schönem Gleichnis, aber doch auch so nackt und kablgeschlagen werden kann wie ein Baum im Winter. Möchten wir uns dann nicht ärgern an dem traurigen und störrischen Geäst, das doch für den Sehenden und Freund auch seine Schönheit hat.... Von unserem Tschechen habe ich einen englischen Unterrichtsbrief bekommen, als Gegen- gabe für andere Briefe, die ich auf die Ausländerstube ge- geben. Er ist mal Schlosser gewesen, im Hauptberuf minde- stens zuletzt Landstreicher; aber er hat eine schöne Schrift, ist nicht dumm und hat mir sehr sauber auf zwei Blättern Wörter, Aussprache und kleine Sätze für anfänglichen eng- lischen Sprachunterricht niedergelegt. Auch ein selbstgedich- tetes Morgengebet, das sich zum Vatergedanken Gottes er- hebt, bat er mir anvertraut.— Der ernsten Bibelforscherin bin ich um zwei Zellen nähergerückt und nur noch durch eine schmale Zelle von ihr getrennt. Über letzten Sonntag waren wir auch auf schriftlichen Verkehr, der immerhin durch die Zellentür möglich ist, angewiesen. Die arme Frau mit ihren zarteren Nerven tut mir leid. Sie hat schon längere Ge- richtszeit hinter sich. Derselbe Herr O., den Du kennst, hat auch sie verhört und ihre Sache bearbeitet.— Der Italiener und ein Pole, beide gute Kerls, suchen sich beim Spazieren-
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