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Das Tagebuch des Dawid Rubinowicz / [übers. von Stanislaw Zyliński]
Entstehung
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ßen, denen durch Willkür und Gewalt alle Rechte ge- raubt wurden.

Am Anfang des fünften Heftes des Jungen aus Krajno ist ein blaßroter Stempelabdruck zu sehen: D. Rubino- wiez, Bodzentyn, Kielecka-Straße 13. Wahrscheinlich hat Dawidek, um eine Beschäftigung zu haben oder viel- leicht von dem Wunsche getrieben, seine Gedanken von dem abzulenken, woran er, ohne es zu wollen, immer denken mußte, diesen Stempel in Gummi oder Holz geschnitzt.

Wäre nicht dieses unscheinbare Zeichen, das mehrmals auf die Heftumschläge gedrückt wurde, dann wäre wahrscheinlich das Tagebuch des kleinen Rubinowicz, dieses erschütternde Zeugnis dessen, was hier geschehen ist, ein namenloses Zeugnis geblieben.

Als der Junge seine Eintragungen vom Jahre 1942 be- gann und dabei eine Vignette auf der ersten Seite zeich- nete, rechnete er sicherlich nicht damit, daß gerade in diesem Jahr sein eigenes vierzehnjähriges Leben den endgültigen Abschluß finden würde.

Die Aufzeichnungen aus fünf Monaten des Jahres 1942 umfassen 63 Seiten. Die letzten Seiten des fünften geret- teten Heftes fehlen.

Es ist sehr wohl möglich, daß der kleine Dawid seine Eintragungen auch in den Sommermonaten 1942 weiter- geführt hat, in dem letzten Sommer, den er lebend ver- bringen durfte. Es besteht kein Zweifel darüber, daß er Mitte September 1942 gelebt hat, bis zu dem Tage, als auf dem Marktplatz von Bodzentyn das unheilverkün- dende Signal ertönte, das allen Juden befahl, sich sofort auf den Weg zu machen.

Zusammen mit seiner Familie marschierte wahrschein- lich auch Dawidek demschwarzen Tor zu. Die Schüsse,

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