Ich bewundere die Gewissenhaftigkeit und die Charak- terstärke dieses jüdischen Jungen aus der einfachen dörflichen Umgebung, der im Chaos des Unrechts und der Grausamkeiten, in den Jahren, in denen jede Minute von Grauen erfüllt war und jede Stunde die letzte sein konnte, seine Eintragungen möglichst sorgfältig weiter- zuführen versuchte.
Es ist interessant, daß in den weiteren Heften immer häufiger gewisse Ungenauigkeiten in den Wörtern vor- kommen- was meiner Meinung nach vom seelischen Zustand des Schreibenden zeugt. Dawidek läßt Buch- staben aus(sie sind im polnischen Text in eckigen Klam- mern ergänzt). Wie oft passiert das auch uns Erwach- senen. Wie oft- wenn man einen Brief in nervöser Span- nung oder in einer starken Gemütsbewegung schreibt- passiert es, daß man Buchstaben, Silben, ja ganze Wör- ter ausläßt.
Im Jahre 1941 räumt der kleine Dawidek in seinen Ein- tragungen dem alltäglichen Dorfleben noch viel Platz ein. Er erwähnt, daß die Kühe gehütet werden, er sorgt sich wegen der Trockenheit, ist von einem gewaltigen Gewitter tief beeindruckt, das Beerensammeln bereitet ihm große Freude, die Begegnung mit dem Fuchs im Walde erlebt er als ein nicht alltägliches Abenteuer. Und hierbei schon öffnet sich diesem empfindsamen Jungen aus Krajno ein Weg von Erlebnissen, die die mensch- liche Widerstandskraft übersteigen.
Alles ist in diesen Notizen, mehr als Dawidek in seinen knappen, jeder Exaltation baren Berichten niederge- schrieben hat. Mit erschreckender Deutlichkeit enthüllt sich hier der Mechanismus der hitlerfaschistischen To- desmühle. Man sieht, wie die Klammern eines unerhör- ten Unrechts sich immer enger um die Menschen schlie-


