versetzt. In den alten Klassenbüchern sind die Abschrif- ten seiner Schulzeugnisse erhalten. Er war ein guter Schüler.
Die Dorfbewohner können heute lediglich die Stelle zei- gen, an der das kleine Haus stand, in dem Dawidek sein Tagebuch zu schreiben begann. Von der kleinen Molkerei ist keine Spur geblieben. Noch vor dem Kriegsende wurde sie zerstört.
Von der Existenz der Familie Rubinowicz wäre vielleicht auch keine Spur geblieben- das menschliche Ge- dächtnis ist schwach und vergänglich-, wären nicht die Tagebucheintragungen Dawids erhalten. Sie stehen in fünf einfachen liniierten Schulheften aus jener Zeit, mit orangefarbenen Umschlägen. Eines gehörte wahrschein- lich Dawids Schwester, auf dem Umschlag steht ihr Name.
Die Notizen aus dem Jahre 1940 nehmen kaum achtein- halb Seiten ein. Sie wurden, obwohl die Handschrift noch ungelenk war, sehr sorgfältig und sauber geschrieben. Diese Eintragungen sind auf kindliche Art lakonisch, die Formulierungen entwaffnend einfach. Aus ihnen lernen wir einen mit dem Dorfleben und mit der Natur verbundenen Jungen kennen, ein empfindsames, nach- denkendes Kind.
Die Eintragungen aus dem Jahre 1941 umfassen fünf- undvierzig Seiten. Der kleine Rubinowicez macht jetzt seine Notizen öfter und ausführlicher, in gleichmäßigen Zeitabständen. Die Schrift ist nicht mehr so kalligra- phisch, sondern kleiner und geübter. Sein Polnisch ist schön, typisch provinziell, mit den charakteristischen dörflichen Redewendungen der Kielcer Gegend. Ortho- graphie und Zeichensetzung sind im allgemeinen fehler- frei.
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