die die Gendarmen zur„Begrüßung“ aus den Karabi- nern abfeuerten, trafen jene, denen die Flucht als letzte Hoffnung erschien. Das Gebrüll der Eskorte, der Wider- hall der Schläge, das Bellen der Hunde, diese alltägliche Musik der Vernichtung, begleitete die Juden, die auf den Bahnhof Suchedniöw getrieben wurden. Dort wur- den diese Menschen in Viehwaggons zusammengepfercht
und auf den letzten Weg gebracht, den Weg, von dem es kein Zurück gibt.
Wie waren die letzten Stunden Dawideks? Was hat er gedacht, was hat er gefühlt? Wir wissen es nicht. Wir werden es wohl nie erfahren.
Aber ich bin sicher, daß er sich bis zum Ende würdig gehalten hat. Man konnte sich auf ihn verlassen. Haben wir ihn doch aus seinen zweijährigen Aufzeichnungen kennengelernt. Dieser einzige, in Worten so sparsame Nachlaß von ihm enthält eine unerhörte emotionelle und psychische Ladung.
Wir denken an Dawidek, der dieses schmutzige Plakat, das die Juden widerwärtig beleidigen wollte, betrach- tete und der Demütigung Herr zu werden versuchte. Wir erinnern uns, wie er in der Nacht vor der Aussiedlung aus dem elterlichen Hause auf den Hof hinausging, damit niemand seine bitteren Tränen sah. Wir denken daran, daß er fünf Kilometer vor dem Pferdewagen herlief, mit dem halb unbewußten Entschluß, seine Gefühle nieman- den sehen zu lassen. Wir beobachten, daß er, um Klagen und Mitleid mit sich selbst nicht aufkommen zu lassen, tapfer und mit allen Kräften den Eltern half, daß er sich um Menschen sorgte, die er kaum kannte, und daß ihm ihr Unglück sehr naheging.
Wenig Unrecht ist diesem Kinde erspart geblieben. Obwohl er nichts Böses getan hat, wird er mit seinen


