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Widerstand in Auschwitz / Bruno Baum
Entstehung
Seite
93
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Von den anderen Kameraden wußten wir nur, daß sie wohlbehalten alle Anlaufstellen passiert hatten. Über einen österreichischen Kameraden erfuhren wir, daß die Nazis ihn in Warschau erschossen hatten. Ein anderer österreichischer Kamerad war durch die Front hindurch bis nach Moskau gekommen.

Selbstverständlich wurden auch andere Möglichkeiten zur Flucht ausgenutzt. So gab es einige Fälle, in denen sich SS-Männer, die wir zur Mitarbeit gewonnen hatten, Passierscheine beschafften und am Tage mit zwei Kame- raden durch die Postenketten gingen.

Unsere Kameraden unter den Schneidern beschafften für einzelne Fälle auch Uniformstücke. Ebenso wurden Passierscheine gefälscht. Einige Male ist es geglückt, daß ein Häftling in SS-Uniform mit zwei Häftlingen in Ge- fangenenkleidung durch die Postenkette kam.

Ein tapferes Mädel, das mit einem Mann geflüchtet war, wurde nach einigen Tagen wieder eingebracht. Es war die Kameradin Malla. Sie sollte öffentlich durch Erhängen hingerichtet werden. Auf ihren Wunsch nahm man ihr die Fesseln ab. Sie öffnete sich sofort die Puls- adern und schlug den SS-Henkern mit den blutigen Hän- den ins Gesicht, die sie daraufhin vom Richtplatz ins Krematorium schafften und verbrannten.

Unser weiterer Weg

Die Front rückte immer näher, die Partisanenbewegung in Polen fand immer mehr Anhänger, und die Nervosität unter den SS-Leuten wuchs ständig.

Wir erfuhren, daß die Absicht vorlag, bei Annäherung der Front das ganze Lager zu vernichten. Schon fragte der Leiter der politischen Abteilung, Schurz, bei dem die Vergasungen leitenden SS-Mann Moll an, wie er über die Vergasung der gesamten Lagerbelegschaft denke.