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Im Feuer vergangen : Tagebücher aus dem Ghetto / mit einem Vorwort von Arnold Zweig ; übertragen von Viktor Mika
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mit den Deutschen waren die jüdischen Kämpfer gezwungen gewesen, sich zurückzuziehen und sich in einem unter- irdischen Bunker zu verstecken. Sie hatten sich im Bunker in Leszno verbarrikadiert. Oben tobte eine Feuersbrunst. Es war unmöglich, am Tage auf die Straße hinauszugehen und einen Überfall auf den Feind zu organisieren. Ratlos saßen sie daher mit kampfbereiter Waffe in Erwartung eines etwas günstigeren Moments im Bunker.

Auf eine uns bis jetzt unerklärliche Weise waren die Deut- schen in den Bunker eingedrungen. Die Kampfgruppe hatte beschlossen, bis zum letzten Atemzug zu kämpfen und sich dem Feind nicht zu ergeben. Die heldenhaften Kämpferinnen hatten sich aus den Winkeln des Bunkers mit den letzten Patronen gewehrt. Plötzlich hatte Halinka bemerkt, daß ein deutscher Soldat seine Waffe auf den Kommandanten der Kampfgruppe, Rözka Rozenfeld, richtete. Halinka war der Meinung gewesen, daß in dem Augenblick, da der Führer fällt, der Widerstand zusammenbreche. Ohne zu zögern, hatte sie sich vor ihren Kommandanten gestürzt und ihn mit dem Körper gedeckt. Man teilte uns ihre letzten Worte mit. Blutüberströmt und sich in der Agonie windend, hatte sie gesagt:Es ist gut, daß ich getötet wurde und nicht Rözka. Das Gefecht ging weiter. In dem Kampf, der im Bunker ge- führt wurde, fiel auch Rözka Rozenfeld. Der Feind metzelte sie alle nieder.

Zum letzten Mal begegnete ich meinen nächsten Genossen aus der Kampfstellung im Ghetto im zentralen Bunker des Stabes des Jüdischen Kampfbundes in der Milastraße 18 am 7. Mai 1943, das heißt am Tage vor dem heldenhaften Tod der Aufstandsführung. Hier hatten sich die letzten in den schweren Kämpfen mit dem Leben davongekommenen Mit- glieder aller Kampfgruppen konzentriert. Auf diese Weise waren einige hundert Kämpfer zusammengekommen. Gerade

hier befanden sich Mordechaj Anielewicz, Bialy Michal,

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